Woolf versprach der Truppe hundert Dollar unter der Bedingung, daß auch keine Sekunde Pause entstehe. Ohne Unterbrechung wechselten Musik, Gesänge und Tänze ab. Woolf lag wie eine Leiche im Sessel, nur seine Augen glänzten. Er schlürfte immerzu Rotwein und wurde doch nicht trunken. Renée kauerte mit angezogenen Beinen in einem Fauteuil, in einen prächtigen zinnoberroten Schal eingewickelt, die grünen Augen halb geschlossen, wie ein roter Panther. Sie sah immer noch gelangweilt aus. Gerade ihre beispiellose Indolenz hatte ihn gereizt. Kam man ihr nahe, so wurde sie bösartig wie eine Idiotin, bis endlich die Hölle aus ihr loderte.
Die schöne junge Ungarin, die der smarte Primas mitgebracht hatte, gefiel S. Woolf. Er richtete häufig seinen Blick auf sie, aber sie wich scheu mit den Augen aus. Darauf winkte er den Primas heran und flüsterte mit ihm. Eine Weile später verschwand Juliska.
Punkt elf Uhr verließ er Renée. Er schenkte ihr einen seiner Brillantringe. Renée liebkoste mit ihren Lippen sein Ohr und fragte ihn flüsternd, weshalb er nicht bleibe. Er gebrauchte seine alte Ausrede, er habe zu arbeiten, und Renée runzelte die Stirn und verzog das Mündchen.
Juliska wartete bereits in Woolfs Wohnung. Sie zitterte, als er sie berührte. Ihr Haar war braun und weich. Er goß ihr ein Glas Wein ein und sie nippte gehorsam daran und sagte sklavisch: „Auf Ihre Gesundheit, Herr!“ Dann sang sie auf seinen Wunsch ihr kleines melancholisches Volkslied, wiederum so leise, daß man sie kaum hörte.
Két lánya volt a falunak — sang sie — két virága; mind a kettö úgy vágyott a boldogsagra ...
Zwei Mädchen hatte das Dorf, zwei Blumen. Beide sehnten sich nach dem Glück; die eine führte man zum Traualtar, die andere brachte man zum Friedhof.
Hundertmal in seiner Jugend hatte S. Woolf das Lied gehört. Aber heute drückte es ihn nieder. Seine ganze Hoffnungslosigkeit hörte er daraus. Er saß da und trank und bekam Tränen in die Augen. Er weinte aus Mitleid mit sich selbst und die Tränen liefen langsam über seine wächsernen, schwammigen Wangen.
Nach einer Weile schnaubte er sich die Nase und sagte weich und leise: „Das hast du gut gemacht. Was kannst du sonst, Juliska?“
Sie sah ihn mit traurigen, braunen Augen an, die an die Augen eines Lamas erinnerten. Sie schüttelte den Kopf. „Nichts, Herr,“ flüsterte sie verzagt.
Woolf lachte nervös. „Das ist nicht viel!“ sagte er. „Höre, Juliska, ich will dir tausend Dollar geben, aber du mußt tun, was ich dir sage?“