Das größte Interesse erweckte Lloyds Resümee, der die Finanzierung und die Rentabilität des Projektes ausgearbeitet hatte. Allan las es zuletzt, und die dreißig Gehirne arbeiteten mit ihrer größten Geschwindigkeit und Präzision.
Die Hitze schien sich urplötzlich verdreifacht zu haben. In Schweiß gebadet lagen sie alle in den Sesseln und das Wasser rann ihnen über die Gesichter. Selbst die Kühlapparate, die hinter den Gebüschen und Sträuchern aufgestellt waren und ununterbrochen kalte, ozongesättigte Luft aushauchten, schufen keine Linderung mehr. Es war wie in den Tropen. Chinesische Boys, in kühles, schneeweißes Linnen gekleidet, glitten lautlos zwischen den Sesseln hindurch und reichten Limonade, horses-neck, gin-fizz und Eiswasser. All das half nichts. Die Hitze stieg in Schwaden von der Straße herauf und wälzte sich als glühender Brodem, den man mit den Händen greifen konnte, über den Dachgarten. New York, aus Eisenbeton und Asphalt, war wie ein vieltausendzelliger Akkumulator, der die Glut der letzten Wochen aufgespeichert hatte und sie jetzt ausspie. Und ununterbrochen gellte und schrie die fieberige Broadway-Schlucht tief unten. New York, von den Menschen zwischen 3000 Meilen Ozean und 3000 Meilen Kontinent aufgetürmt, dieses kochende, schlaflose New York selbst schien zu fordern, zu beschwören, anzupeitschen zu immer größeren, immer unerhörteren Anstrengungen. New York selbst, das Gehirn Amerikas, schien zu denken, einen Riesengedanken hin und her zu wälzen, zu gebären ...
In diesem Augenblick hörte Allan auf zu sprechen. Fast mitten im Satze. Allans Rede hatte gar keinen Schluß. Es war eine umgekehrte Rede, deren Steigerung am Anfang lag. Der Schluß kam so unerwartet, daß alle in der gleichen Lage sitzen blieben und ihre Ohren noch arbeiteten, als Allan schon gegangen war, um sein Projekt der Diskussion zu überlassen.
Das Reklameluftschiff kreuzte über dem Dachgarten und trug die Worte über Manhattan dahin: „25 Jahre Lebensverlängerung! — Garantie! — Dr. Josty, Brooklyn!“
7.
Allan fuhr mit Maud bis zum zehnten Stock ab, um zu dinieren. Er war vom Schweiß derart durchnäßt, daß er sich vollständig umkleiden mußte. Aber selbst dann schlugen augenblicklich wieder die Schweißperlen aus seiner Stirn. Seine Augen waren noch geweitet und blicklos von der großen Anspannung seiner Kräfte.
Maud trocknete ihm vorsorglich die Stirn und kühlte seine Schläfen mit einer Serviette, die sie in Eiswasser getaucht hatte.
Maud strahlte! Sie plapperte und lachte vor Erregung. Was für ein Abend! Die Versammlung, die Lichtgirlanden, der Dachgarten, das zauberische New York ringsum, nie würde sie diesen Anblick vergessen. Wie sie alle im Kreise saßen! Sie, die Namen, die sie seit ihrer frühesten Jugend tausendmal gehört hatte, deren bloßer Klang eine Atmosphäre von Reichtum, Macht, Genie, Kühnheit und Skandal erzeugte. Und sie saßen und hörten ihm zu, Mac! Maud war unendlich stolz auf Mac. Sein Triumph begeisterte sie, sie zweifelte keinen Augenblick an seinem Erfolg.
„Welch schreckliche Angst ich doch hatte, Mac!“ sprudelte sie hervor und umschlang seinen Nacken. „Aber du hast gesprochen! Ich traute meinen Ohren nicht! Guter Gott, Mac!“