„Wann?“
„Wann?“ Mac sah an ihr vorbei. Es gab nichts, was ihm schwerer wurde, als von sich selbst zu sprechen. „Das ist schon lange her, Maud. In Uncle Tom.“
Noch etwas hat Mac aus Uncle Tom mitgebracht. Das ist ein gellender Raubvogelschrei — hej! — hej! — den Mac unwillkürlich ausstößt, wenn ihm jemand vor den Reifen des Autos herumläuft. Diesen Schrei hat er in Uncle Tom gelernt. Damit trieb er Boney an, wenn er abfahren wollte, und damit stoppte er Boney, wenn ein Wagen aus den Schienen gesprungen war.
Mac war fast drei Jahre auf Sohle 8 und hatte den halben Erdumfang in den Stollen von Uncle Tom zurückgelegt, als die Grubenkatastrophe eintrat, an die sich heute noch viele erinnern. Sie kostete zweihundertundzweiundsiebzig Menschen das Leben, aber sie sollte Macs Glück werden.
In der dritten Nacht nach Pfingsten, um drei Uhr morgens, ereignete sich eine Explosion schlagender Wetter in der untersten Sohle von Uncle Tom.
Mac brachte seinen Zug leerer Hunde zurück und pfiff einen Gassenhauer, den gegenwärtig der Phonograph in Johnsons „Saloon“ jeden Abend brüllte. Plötzlich hörte er durch das Gerassel der eisernen Hunde hindurch ein fernes Donnern und blickte sich ganz mechanisch um, immer noch pfeifend: da sah er, wie die Stempel und Balken wie Streichhölzer knickten und der Berg hereinbrach. Er riß Boney mit aller Gewalt am Halfter und gellte ihm in die Ohren: „Hej, hej! Git up — giit up!“ Boney, der erschrak und die Stempel hinter sich krachen hörte, versuchte einen Galopp, old Bonaparte streckte seinen plumpen Leib, daß er ganz flach lag, warf die Beine hinaus zu einem verzweifelten finish — dann verschwand er unter dem stürzenden Gestein. Mac lief wie besessen, denn der Berg kam hinter ihm her. Es galt! Aber zu seinem Entsetzen sah er, daß die Stempel und Balken vor ihm ebenfalls knackten und die Decke sich senkte. Da drehte er sich ein paarmal im Kreise, wie ein Kreisel, die Hände an den Schläfen und stürzte in einen Seitenverschlag. Der Stollen brach donnernd zusammen, der Seitenverschlag krachte, und gehetzt von stürzendem Gestein flog Mac dahin, rasend und flink. Endlich lief er nur noch im Kreise, die Hände am Kopf, und schrie!
Mac zitterte an allen Gliedern und war ganz ohne Kraft. Er sah, daß er in den Pferdestall gelaufen war, was Boney ebenfalls getan haben würde, wenn ihn der Berg nicht erfaßt hätte. Er mußte sich setzen, da ihn die Knie nicht mehr trugen, und da saß er nun, betäubt vom Schrecken, und dachte eine Stunde lang gar nichts. Endlich beschäftigte er sich mit seiner Lampe, die ganz winzig brannte, und leuchtete die Umgebung ab; er war vollkommen eingeschlossen von Geröll und Kohle. Er versuchte zu denken, wie es gekommen war, aber es fiel ihm gar nichts ein.
So saß er lange Stunden. Er weinte aus Verzweiflung und Verlassenheit, dann raffte er sich zusammen. Er nahm ein Stück Kaugummi und seine Lebensgeister kehrten zurück.
Es war eine Schlagwetter- oder Kohlenstaubexplosion, das stand fest. Boney hatte der Berg erschlagen — und ihn, nun ihn würden sie wohl herausgraben!