Als der Anwalt Lise diese Nachricht mitteilte, wurde Lise zum erstenmal in ihrem Leben wirklich ohnmächtig. Drei Tage lang schwankte sie kreidebleich durch die Wohnung. „Ich hätte nicht gedacht, daß er ein Schuft ist,“ sagte sie. „Das ist die furchtbarste Enttäuschung, ich hielt ihn nur für leichtfertig.“

Natürlich hatte Lise der Mutter diese beschämende Sache mit der Entmündigung nie mitgeteilt. Sie hatte ihr nur angedeutet, daß sie mit Wenzel prozessiere, da er die Rechnungen – Schuhe, Kleider, Wäsche für die Kinder – beanstande.

Und über diesen Prozeß, der nach Lises Darstellung noch immer nicht beendet war, geriet Frau von dem Busch an diesem Abend abermals in helle Erregung.

„Wie gut ist es, daß ich wieder einmal gekommen bin, um nach dem Rechten zu sehen, Lise!“ rief sie aus. „Die Anwälte machen mit dir natürlich, was sie wollen. Morgen werde ich zu Justizrat Davidsohn gehen. Er ist ein alter Freund von Papa. Und dann noch etwas. Weißt du, Lise, wozu ich mich entschlossen habe, jetzt in dieser Minute?“ Frau von dem Busch hatte sich vor Erregung erhoben und blickte Lise mit einem kühnen Blick an.

„Wozu, Mama?“ fragte Lise.

„Ich werde morgen zu Wenzel gehen! Ja, ich werde es tun!“

„Er wird dich nicht einmal empfangen, Mama,“ entgegnete Lise mit einem spöttischen Lächeln.

Schon funkelten die Augen der alten Dame zornig. „Oh, er wird es nicht wagen, mich abzuweisen,“ sagte sie und ballte die kleine, bleiche Faust.

8

Lise gab sich alle Mühe, der Mutter den Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich zu machen. Frau von dem Busch wollte nur eine Woche in Berlin zubringen, um sich hierauf in ein Sanatorium zu begeben. Wahrscheinlich in den Weißen Hirsch bei Dresden. Ihre Nerven waren angegriffen und ihr Darm geschwächt. Überhaupt fühlte sie sich noch nicht ganz erholt.