Unerschrocken ging Michael – der Devise der Gesellschaft getreu – dem Hunger und dem Elend entgegen, und überall belebte sich das erstorbene Gefühl der Kameradschaft.

Seine Reformen und seine Gedanken einer wohldurchdachten organischen Wirtschaft des Reichs hatten im Ausland Aufsehen erregt. Kommissionen kamen, das wachsende Werk zu besichtigen.

Vor einem halben Jahr etwa hatte Michael die Gesellschaft „Neu-Europa“ gegründet. Ähnliche Grundsätze, angewandt entsprechend den Bedürfnissen der einzelnen Länder Europas, sollten sämtliche europäischen Staaten reformieren. Die einzelnen Länder tauschten ihre Erfahrungen aus, ohne jede Geheimnistuerei berichtete man gegenseitig über die Fortschritte des Gartenbaues, der Landwirtschaft, des Heimstättenbaues, über neue Maschinen und Erfindungen. Zufriedene europäische Völker – war es nicht einleuchtend? – würden ein zufriedenes Europa schaffen, das es heute nicht gab. Die Zölle würden fallen, die Schranken der Grenzen würden fallen, das Paßwesen würde fallen. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Übermacht der Vereinigten Staaten von Amerika würde Europa früher oder später gezwungen werden, eine Planwirtschaft für ganz Europa einzuführen, sollte es nicht zum Sklaven des amerikanischen Kapitals werden.

War Europa erst auf diesem Punkt angelangt, nun, so waren nur noch zwei, drei Schritte zu den Vereinigten Staaten Europas! Und sie würden kommen, morgen, übermorgen ...

Unermüdlich arbeitete Michael an diesen Problemen. Bis in die späte Nacht hinein saß Eva Dux über das Stenogrammheft gebeugt.

„So wird es sein, so und nicht anders!“ schrie Michael.

Die Zeitschrift „Neu-Europa“, die er gegründet hatte, wurde in Millionen von Exemplaren in allen Sprachen verbreitet. In unzähligen Versammlungen hatte er, von Beifall umtost, gesprochen. Würden die europäischen Staaten das Geld und die Arbeitsenergien, die sie heute für ihre Armen aufbrachten, produktiven Zwecken zuwenden, so gäbe es heute schon keinen Hunger und kein Elend mehr unter den europäischen Völkern! Und ein neuer Tag würde über Europa emporsteigen.

Der Tag war nahe!

„So wird es sein und nicht anders!“ schrie Michael, und Eva Dux schrieb mit fliegenden Händen.

Viele verspotteten Michaels Optimismus. Andere bekämpften ihn mit rasendem Fanatismus. Je mehr Anhänger er gewann, desto größer wurde auch die Schar seiner Feinde.