Wenzel war nicht eitler als andere Menschen, keineswegs. Aber zuweilen empfand er doch etwas wie eine Art Hochachtung vor sich selbst, war er ganz erfüllt von Befriedigung.

„Das also ist Wenzel Schellenberg, seht an!“ sagte er sich manchmal, wenn er sich, in großer Gala, im Spiegel betrachtete. „Und doch ist dies erst der Anfang! Der Anfang – ah, man wird ja sehen!“ Ehrgeizige Träume berauschten ihn –.

Im Mai jedoch – es war einer der letzten Tage im Mai – ereignete sich ein kleiner, eigentlich ganz unbedeutender Vorfall, dessen Folgen niemand voraussehen konnte.

An diesem Tage, einem warmen, wundervollen Frühlingstag, wie sie in Berlin selten sind, begleitete Wenzel Esther in den Zoologischen Garten. Esther schwärmte für Tiere, wie die meisten Frauen, und in dieser Zeit gab es im Zoologischen Garten junge Löwen, Affen und kleine Bären zu bewundern. Der schöne Tag hatte alle Welt herbeigelockt, und der Garten wimmelte von heiteren Menschen und lärmenden Kindern. Plötzlich – beinahe hätte es Wenzel nicht einmal beachtet, sie standen in der Nähe des Bärenzwingers – drängte sich ein kleines, milchweißes Windspiel freudig an Esther heran, beschnupperte sie, sprang winselnd und kläffend vor Erregung an Esther empor und versuchte ihr das Gesicht abzulecken. Wenzel lachte. Das Windspiel war in der Tat in seiner Freude äußerst reizvoll. Es hatte rosige Pfoten, ein rosiges Maul und rosiggeränderte sanfte braune Augen. Fast vermochte Esther sich der Liebkosung des Tieres nicht zu erwehren.

„Meine liebe, kleine Philly, wie geht es dir? Sei nicht so närrisch,“ rief sie wieder und wieder aus.

Die reizende Szene erregte die Aufmerksamkeit einer großen Anzahl von Menschen.

Da ertönte plötzlich ein kurzer, schriller Pfiff, irgendwo, das Windspiel stutzte und verschwand augenblicklich in der Menge.

„Woher kennt dich der Hund?“ fragte Wenzel.

„Er gehört einem meiner Bekannten,“ erwiderte Esther lächelnd und widmete sich wieder den jungen Bären.

Das war alles. Das war der ganze Vorfall, unbedeutend, geringfügig, und Wenzel vergaß ihn nach einigen Tagen vollkommen.