Es war jener junge Mann, der im Frühjahr das Tanzturnier gewonnen hatte, wie war doch sein Name? Er kannte ihn seit Jahren, traf ihn zuweilen in einem Spielklub, er war ein Freund von Jenny Florian gewesen. Jetzt spielte er eine gewisse Rolle bei der Bühne und beim Film. Er hatte diesem jungen Mann nie Vertrauen geschenkt, vielleicht weil er sogenannte schöne feminine Männer haßte. Da fiel ihm der Name ein. Katschinsky hieß der junge Mann.
Weshalb hatte Esther damals nicht Katschinskys Namen genannt?
Von einer dumpfen Unruhe bedrückt, verließ er den Turnierplatz, ohne weiter nach Esther zu suchen. Er ließ ihr den Wagen zurück, mit dem Bescheid, daß ihn ein dringendes Geschäft ins Büro zurückrufe.
Er ging eine Stunde spazieren, ohne Ziel. Die Luft, die Bewegung erfrischten ihn. Plötzlich begann er über seine unsinnigen Kombinationen zu lachen.
„Es sind ja nur die Nerven!“ sagte er sich. „Wir werden drei Wochen auf die See gehen!“
Trotz allem, von diesem Tage an war Unruhe über Wenzel gekommen. Er ging nicht an die See. Nach einer Woche ertrug er diese Unsicherheit nicht mehr.
Er kannte zuverlässige Leute, denen man derartige heikle Angelegenheiten anvertrauen konnte. Und ganz im geheimen gab er diesen Vertrauensleuten seine Aufträge.
Er beobachtete Esther. Es schien ihm, als ob sie gerade gegen Katschinsky, der übrigens nur selten sein Haus betrat, eine ganz besondere Zurückhaltung übe. Er versuchte in ihrem gepuderten und gemalten Gesicht zu lesen. Es lag etwas Fremdes in diesem Gesicht, die Künste der Toilette verschleierten es. Ihre Augen schienen infolge der Färbung der Haare dunkler geworden zu sein und, wie es Wenzel schien, rätselhafter.
Je länger er dieses Gesicht betrachtete, desto fremder erschien es ihm. Je mehr er diese Frau zu ergründen suchte, desto unbekannter schien sie ihm zu sein. In der Tat, eine völlig fremde Frau lebte mit ihm in seinem Hause.
Er erinnerte sich plötzlich eines Gesprächs, das zwei Herren über Esther im Teeraum des Londoner Hotels führten. Sie waren augenblicklich verstummt, als sie bemerkten, daß er zuhörte, und behandelten ihn von diesem Augenblick an mit ausgesuchter Höflichkeit, als hätten sie etwas gut zu machen. Das war kurz vor seiner Hochzeit gewesen. Sein Englisch war nur mangelhaft, und doch schien es ihm jetzt, als hätten die beiden Herren mit einer gewissen Frivolität über Esther gesprochen. Es lag mehr im Ton als in den Worten. Esthers erste Ehe, ihre Scheidung, ihr ganzes Leben, bevor sie in seinen Gesichtskreis trat, war ihm bis heute völlig gleichgültig gewesen. Nunmehr interessierte ihn plötzlich alles über alle Maßen. Wer war diese Frau, die seinen Namen trug?