Das Fest kam heran.
Die Autos rollten über den Kiesweg der Auffahrt. Schultern, Arme, Roben, Lackschuhe und Fräcke quollen aus den Autos. Es kamen Minister und Diplomaten, Botschafter und Gesandte, die Finanz, der alte Adel, die neuen Vermögen, Industrielle mit starken Backenknochen, es kam die Presse. Die Photographen waren schon durch einen Seiteneingang in das Haus geschlichen und lauerten. Es kamen Leuchten der Wissenschaft und berühmte Namen der Kunst. Es kamen auch einige Sterne vom Theater und vom Film.
Auch Katschinsky befand sich unter den Gästen. Wenzel hatte ihn recht gut gesehen. Oh, ob er ihn gesehen hatte! Vollendet spielte Wenzel die Rolle des Gastgebers. Für jeden Gast hatte er ein höfliches Wort. Aber er übersah Katschinsky. Niemand fiel es auf, Katschinsky selbst nicht. Es waren gegen zweihundert Personen geladen. Das ganze Haus strahlte vor Licht. Wie ein gleißender Würfel lag es im Grunewald. Durch die Säle fluteten die Gäste. Glanz, Licht, Brandung der Stimmen, mitten darin Esther wie eine Fürstin, die empfängt.
Esther hatte die Haare für das heutige Fest brennendrot gefärbt, um ihre Freunde und Freundinnen zu überraschen. Sie trug ein silbergraues, ganz dünnes Kleid, das jede Linie ihres Körpers, die Form ihrer kleinen Brüste mit den mädchenhaften Knospen, den Schwung ihrer Schenkel allen Blicken preisgab.
Sie ahnt nichts, dachte Wenzel triumphierend. Würde sie es ahnen, so würde sie mir vor allen Leuten zu Füßen fallen, um nur ja diese Welt voller Musik und Glanz, voll Heiterkeit und törichter Worte, voll ewig wechselnder Kleider und blitzender Steine nicht verlassen zu müssen.
Sie hatte den alten herzoglichen Schmuck angelegt.
Wenzel trank an diesem Abend nur zwei Gläser Sekt und eine Tasse Kaffee. Er betrachtete seine Hände. Sie waren ruhig, sie bebten nicht. Ja, vollendet spielte er seine Rolle als Wirt. Er sprach mit den Gesandten über Politik, mit den Industriellen über die Industrie und mit einem Filmstar, der ihm große blaue Augen machte, über die Schwierigkeiten ihres Berufes. Und da, in irgendeinem Winkel, entdeckte er den Bildhauer Stobwasser. Er schob die Hand unter seinen Arm und ging mit ihm in ein stilles Zimmer und unterhielt sich mit ihm über seine Tiere, ob er noch den Papagei habe, der singen konnte: Wer will unter die Soldaten, der muß haben ein Gewehr? Wenzel lachte laut heraus, so daß Stobwasser, der einen viel zu weiten Frack und viel zu große Schuhe trug, in Verlegenheit geriet, so laut und merkwürdig lachte Wenzel. Dann unterhielt Wenzel sich mit ihm über einen Brunnen, den er für seinen Garten gern besäße. Er habe da einen Gedanken, und Stobwasser möge sich diesen Gedanken durch den Kopf gehen lassen. Und Wenzel entwickelte ganz konfuse Pläne.
Schon war Wenzel gegangen. Er verbeugte sich vor einer älteren, über und über bemalten Dame, die eine flachsfarbene Perücke trug. Stobwasser sah Wenzel mit noch immer verdutztem Gesicht nach. Er ist irrsinnig, dachte er.
Das Geklirr der Bestecke, das Klingen der Gläser, die Reihen der Diener. Der Haushofmeister, der frühere Regimentskommandeur, schwitzte Blut. Es war natürlich viel leichter, ein Regiment zu kommandieren.
„Weshalb sind Sie so aufgeregt?“ fragte ihn Wenzel und legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter.