„Ich bin Ihnen sehr dankbar. Leben Sie wohl, Herr Weidenbach,“ erwiderte Wenzel.
Am Tage arbeitete er nun am Wiederaufbau des Gutshauses, der Ausbesserung der Scheunen und Ställe. Ein neuer Stall sollte angelegt werden. Am Abend aber saß er beim Licht von zwei Kerzen über dem Plan von Schwarzlake. In wenigen Jahren sollte Schwarzlake so aussehen. Wo heute Unkraut wuchs, sollte Getreide wachsen. Wo das Wasser in den Wiesen stand, sollten die Herden weiden. Eine richtige kleine Stadt aber hatte Wenzel entworfen. Und diese Stadt würde entstehen in zehn bis zwanzig Jahren, und sie sollte den Namen Schellenberg tragen. Nicht seinen Namen, dem Gedächtnis seines Bruders war sie gewidmet.
Eines Tages, Wenzel schrie gerade mit den Zimmerleuten, die den Dachstuhl aufsetzten, meldete man ihm, daß eine Dame angekommen sei und ihn zu sprechen wünsche. Wenzel runzelte die Stirn und blickte finster in den Hof hinaus. Sofort aber erhellte sich sein Gesicht wieder. Da kam die Dame schon. Es war Eva Dux. Ruhig und still, mit einem herzlichen Leuchten in den Augen begrüßte sie ihn, als hätte sich seit ihrem letzten Wiedersehn nicht das geringste ereignet.
„Ich komme erst jetzt zu Ihnen, Herr Schellenberg,“ sagte Eva. „Ich habe die letzten Wochen damit zugebracht, Michaels Papiere zu sichten. Ich habe sie Ihnen mitgebracht. Sie sind in meinem Koffer.“
Es waren Michaels Aufzeichnungen, seine Pläne, Entwürfe, Notizen, Manuskripte, Aufsätze, Vorträge. Noch am gleichen Abend begann Eva ihm Stück für Stück vorzulesen und zu erläutern.
„Und dies hier,“ sagte Eva, „schrieb er in den letzten Tagen seiner Krankheit. Es ist sein Testament. Er muß es geschrieben haben, wenn ich schlief.“
Mit fiebernder Hand hatte Michael diese Aufzeichnungen hingeworfen. Sie waren nur für Eva lesbar.
„Lesen Sie, lesen Sie,“ bat Wenzel.
Und Eva las:
„Neue Welt, Erde glücklicher Geschlechter. So wird es sein und nicht anders. Der große Tag wird kommen, und er ist nicht mehr ferne.