„Lise!“ Michael lächelte.
Lise begann zu weinen. „Und dann die Gerüchte! Denke, Michael, daß alle meine Verwandten hohe Beamte und Militärs sind!“
Nun stieg Michael die Röte ins Gesicht. „Sei nicht böse, Lise,“ sagte er, „es langweilt mich, immerzu von deinen Verwandten zu hören. Wir Schellenberg sind auch kein hergelaufenes Gesindel. Mache dich nicht lächerlich –“
„Lächerlich?“ Lise tat äußerst erstaunt und verletzt. „Ah, ein Schellenberg!“ sagte sie. „Den Ton kenne ich!“ Sie stand auf, erregt, feindselig.
Schon bereute Michael. „Laß uns nicht streiten, Lise,“ sagte er. Und sofort war auch Lise wieder bereit, einzulenken. „Höre, Lise, sprich jetzt offen: Was, in Teufels Namen, ist vorgefallen?“
Lise nahm Michaels beide Hände, sah ihn an und flüsterte: „Ich weiß nichts Bestimmtes. Aber es gehen Gerüchte. Wenzel – es sind nur Gerüchte, man trug es mir zu – soll eine Unterschlagung begangen haben. Raucheisen wollte keinen Skandal und entließ ihn von einem Tag auf den andern.“
Michael erbleichte. „Wenzel und eine Unterschlagung! Aber Lise, laß dir doch so etwas nicht weismachen! Eher würde Wenzel sich eine Kugel durch den Kopf schießen. Ich kenne ihn ja.“
Lise sank in sich zusammen. „Vielleicht war es auch nicht gerade eine Unterschlagung, Michael. Vielleicht war es nur eine Inkorrektheit. Jedenfalls – wir sind arm und gehören nicht zu dem Gesindel, das heute in Deutschland obenan ist. Wir haben nichts mehr als unseren guten Namen.“
„Du weißt nicht, was Wenzel zur Zeit tut?“
Verzweifelt schüttelte Lise den gelben Haarschopf. „Ich weiß es nicht, nein. Ich weiß nur, daß er mit diesem Mackentin zusammen ist. Sie machen irgendwelche Geschäfte.“