Das also waren die Gefährten, die ihm das Geschick zugewiesen hatte. Jeder dieser Männer war vom Schicksal getroffen, sonst säße er nicht hier in der Finsternis des Waldes. Die einen waren verbraucht, und die Wirtschaft hatte keinen Platz mehr für sie, andere waren nicht mitgekommen und gestrandet, andere ein Opfer der wirtschaftlichen Krisis. So saßen sie also und starrten ins Feuer und wälzten ihr Schicksal in ihrem Kopf hin und her, ohne es fassen zu können.

„Wenn man nur wüßte, was hier gebaut werden soll?“ fragte der kleine alte Maurer mit dem breitkrempigen Hut.

Niemand antwortete, sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Endlich sagte der Schlosser: „Du siehst doch, daß der Wald umgeschlagen werden soll.“

„Aber wenn er umgeschlagen ist, so muß doch etwas hier gebaut werden.“

„Es wird eine Kirche gebaut werden, damit du es weißt!“ warf Moritz dazwischen.

Der Alte kicherte kindisch. „Eine Kirche!“ rief er aus. „Wer wird hier mitten im Walde eine Kirche bauen? Du bist ja ein ganz Kluger! Mitten im Walde!“

Damit war das Gespräch zu Ende, und alle schwiegen wieder. Nur der alte Maurer kicherte noch zuweilen: „Eine Kirche! Eine Kirche!“ Und er erzählte, daß er vor dreißig Jahren eine Kirche gebaut habe, in Hamburg. Aber niemand hörte zu.

Die Wärme, die sie röstete, die Luft und die Arbeit hatten sie alle müde gemacht. Einer nach dem andern kroch ins Stroh. Auch Georg. Aber er schlief nicht. Er blickte in die Glut des erlöschenden Feuers draußen, in die grenzenlose grimmige Finsternis des Waldes. Ein wunderbares und herrliches Sausen ging in der Ferne durch den Wald. Stark, wie Gewürz, hauchte die Luft aus den nassen Wipfeln. Tannen, frisches Holz und faulende Rinde. Man roch den Schnee, obschon er fast vollständig wieder geschmolzen war. Das gänzlich Unbegreifliche aber, das war diese wunderbare große Stille da draußen.

Plötzlich war es Georg, als sinke er in die Tiefe, und schon war er eingeschlafen. Er erwachte einige Male in der Nacht, um immer sofort wieder in tiefen Schlaf zu versinken. Als er das erstemal erwachte, sah er plötzlich den Einarmigen neben dem niedergebrannten Feuer auf einem Baumstamm sitzen, die Pfeife im Munde. Wieder erwachte er. Es regnete, und durch das provisorische Dach fielen einzelne Tropfen auf sein Gesicht. Das Feuer glimmte noch ein wenig. Lehmann war verschwunden. Die Gefährten lagen mit verzerrten Gesichtern, den Mund offen, schnarchten und röchelten. Nur der große, bleiche Zimmermann saß schlaflos mit offenen Augen, die glänzten, wie die Augen einer Eule.

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