Der „General“ streckte mit gekränkter Miene den langen Bart vor und knöpfte zur Antwort langsam den langen Militärmantel auf. Er trug ein zerrissenes Hemd, das nur noch aus schmutzigen Schnüren bestand, und eine alte an den Knien zerschlissene Hose.

„Das ist etwas anderes,“ sagte Lehmann mit einer gewissen Härte in der Stimme, die seine Beschämung verbergen sollte. „Ich werde dafür Sorge tragen, daß Sie Kleider bekommen. Unsere Gesellschaft ist vorzüglich organisiert. Wenn jetzt manches stockt, so kommt es daher, daß man uns in den letzten Tagen Tausende von Arbeitslosen geschickt hat. Es wird alles in Ordnung kommen.“

Mittag! Der Kellner hatte gekocht. Das Feuer wärmte. Alle staunten den halbfertigen Schuppen an, während sie aßen.

„Ob wir es heute noch schaffen?“

Kopfschütteln. Zweifel.

„Am Abend steht der Schuppen,“ versicherte Lehmann, der mit ihnen aus demselben Kessel aß.

Und in der Tat, als die Dämmerung kam, stahlblau und kalt, mit einem eisigen Wind, war der Schuppen bis auf Kleinigkeiten aufgestellt. Er hatte zwei Fenster – nicht größer als Stallfenster allerdings, und einige Scheiben waren dazu zerbrochen –, aber doch Fenster, und eine solide Tür mit einem richtigen Schloß. Das Stroh wurde in den Schuppen gebracht, der Kochherd, schon wirbelte der Rauch aus dem Blechrohr. Kisten wurden zurecht gerückt. Der Schlächter kam mit einer völligen Ladung grüner Tannenzweige durch die Türe und nagelte die Zweige an die Wand. Nun sah es in der Tat schon ganz festlich aus. Es war behaglich. Der Wind pfiff nicht mehr. Es war warm, es war sauber. Der kleine Bauernwagen hatte Decken gebracht. Viele waren alt und geflickt, aber es waren immerhin Decken, und sie waren rein. In einer Ecke hatte Lehmann sich sein Lager eingerichtet und daneben sein „Bureau“. Das waren Notizbücher, Rollen, Pläne.

Plötzlich, es war fast schon dunkel, kam ein Radfahrer! Es war ein junger Mann, ein Knabe fast noch, mit einer verblaßten Schülermütze auf dem Kopfe. Forsch und keck trat er in den Schuppen, das Gesicht rot von der frischen Luft. „Ist Post mitzunehmen?“ rief er.

„Wie, alle Wetter, Post?“ Man sah ihn verblüfft an. „Kannst du Tabak besorgen?“

„Wenn Sie mir Geld geben, dann bringe ich Ihnen morgen auch Tabak mit.“