Immer noch schneite es. Man mußte den Schnee von den Dächern fegen, sie bogen sich unter der Last. Aber die Arbeit erfrischte und ermunterte. So sonderbar es war, man sah in diesen Tagen nur heitere Gesichter.
Nun fing der Wind an zu fegen, und das war gut, denn er fegte die Straße frei und wehte den Schnee hinunter in den Kanal.
„Ein wahres Glück, Weidenbach,“ sagte Lehmann, „ist dieser Wind, denn die Stubben müssen heraus. Wir müssen die Sprenglöcher bohren.“
Nun knallte es wochenlang im Walde. Die Stubben flogen in die Luft.
Auch dieses Knallen, diese Stimme der Arbeit belebte und ermunterte. Laut und fröhlich ging es bei den Mahlzeiten her. Nur jene, die erst vor wenigen Tagen aus Berlin gekommen waren, ausgehungert, verstört, müde, verhielten sich noch still und stumpf.
An den Abenden aber herrschte in den Baracken starker Tumult. In der Tat, in keiner der Kneipen der Berliner Vorstädte, wo am Abend müde und verbrauchte Menschen verkehrten, herrschte eine solch ausgelassene Fröhlichkeit.
Die Spielkarten klatschten. Neckereien, allerhand Unfug, Gelächter.
Noch immer stand der Schlächter-Moritz im Mittelpunkt der Gesellschaft. Jeden Abend gab es ein lustiges Geplänkel zwischen ihm und Mutter Karsten. Moritz faßte die Alte unterm Kinn, verdrehte verliebt die Augen und sagte: „Nun, Großmutter, wann werden wir endlich Hochzeit feiern?“
„Oh, du loses Maul,“ erwiderte die Alte, „eine alte Frau zu verspotten, du Schlingel! Siehst du nicht meine Runzeln und daß ich keine Zähne mehr habe. – Hier hast du etwas!“ Und Moritz erhielt eine schallende Ohrfeige.
Aber die Bäuerin, die aus dem Dorfe gekommen war und Mutter Karsten beistand, seht an! Sie war eine Frau von ungefähr vierzig Jahren, derb, aber noch gut aussehend. Mit ihren vorstehenden glänzenden Augen folgte sie jeder Bewegung des Schlächters, und Moritz begann, ihr Augen zu machen. Schon stieß man sich an und machte Scherze.