Johann von Raesfeld. Du hast alle göttliche und weltliche Ordnung geschändet, indem du die von Gott in seiner Weisheit eingesetzten Stände aufhobst und den Knecht dem Herrn gleichsetztest und offen die Empörung predigtest!
Johann. Das ist die Lehre Christi und nicht die meinige!
Erregung. Alle springen empört auf.
Johann von Raesfeld bleich vor Zorn: Es steht dir übel an, zu prahlen, Johann. Noch heute wirst du vor dem Richter im Himmel stehen und er möge dir gnädig sein.
Johann. Es geschieht nichts ohne seinen Willen.
Johann von Raesfeld voller Haß: Johann, dein Urteil ist gesprochen und besiegelt! Es ist bewiesen, daß du eine boshaft-viehische, im Reiche nicht geduldete Religion in Münster eingeführt hast. Du hast die Sakramente verunehrt und das Volk gegen Eid und Pflicht gegen die Obrigkeit zur Widersetzlichkeit aufgewiegelt, viehische Laster verübt. Das aber ist dein Urteil: Mit glühenden Zangen sollst du gerissen werden, dann wird man dir einen glühenden Dolch ins Herz stoßen. Dein Leichnam aber wird in einem eisernen Käfig zur Zinne des Lambertiturms emporgezogen werden und dort oben werden ihn die Raben fressen.
Johann weicht entsetzt zurück.
Johann von Raesfeld triumphierend: Ah, nun zitterst du!
Johann. Ich werde Gott anrufen, mir die Kraft zu geben, damit ich nicht schwach werde. Ich fürchte nicht den Tod. Es ist eine Erhöhung, zur Ehre Gottes zu leiden. Doch fürchte ich die Frage des Herrn: Johann, was hast du mit den Gerechten getan, die ich dir anvertraute?
Bischof. Fast könnte ich Mitleid mit dir haben, Johann. Armer Verführter, armer Johann, Beschützer der Armen, Bettler und Aussätzigen, der du alle Menschen gleich machen wolltest.