Bischof. So straft er dich mit Recht für deinen Übermut, Johann!

Johann. Er tut es, Bischof. Könnte Gott je Unrecht tun? Gott hat mir sein Geheimnis verschlossen, da ich unwürdig war.

Bischof. Du bist jetzt recht demütig geworden, Johann. Aber noch vor kurzem hast du das Maul vollgenommen und verkündet, daß das tausendjährige Reich nahe sei und du seiest sein erster Fürst?

Johann. Wer sagt dir, Bischof, daß Gottes Reich nicht heute beginnt? Du hast Münster genommen, was bedeutet es? In dieser Stunde kann Gott es dir wieder entreißen. Eines aber sage ich dir, Bischof: Kreuzige die Abgesandten Gottes, du wirst immer nur ihren Leib töten. Nicht den göttlichen Befehl, den sie verkünden. Verbrenne uns, wir werden aus der Flamme wieder auferstehen. Wirf uns in das tiefe Meer – wir werden wiederkommen. Wieder und wieder werden neue Boten Gottes aufstehen und immer mehr. Bald wird die Zeit erfüllt sein! Morgen, heute, in dieser Stunde kann Christus über die Erde fahren in seinem Glanz. Was weißt denn du, Bischof? Wer bist du, daß du es wissen könntest? Die Schrift eilet dem Ende entgegen.

Bischof. Armer Verführter! Nicht Gott hat dir diese Gedanken eingegeben, sondern die Hölle hat dich geblendet. Du hast nicht begriffen, daß das Reich Gottes die Ordnung und Ruhe auf der Erde ist und daß es kein größeres Verbrechen gibt als das, diese Ordnung zu stören. Kirche und Obrigkeit, das ist Gottes Reich, eingesetzt von Gott auf Erden. Es ist genug. – Johann, bevor du gehst: Widerrufe, und ich will dich nur mit dem Schwerte strafen.

Johann. Was, Bischof, soll ich widerrufen? Kann ich gegen Gottes Wort gehen? Eher werden die Flüsse zur Quelle zurückkehren. Bin ich auch in deiner Gewalt, so solltest du meiner nicht spotten. Aber wenn du eine Bitte erlaubst, Bischof, so will ich dir danken. Der Bischof nickt. Laß die gefangenen Frauen Münsters nicht in deinen Gefängnissen verfaulen und liefere sie nicht deinen Kriegsknechten aus! Töte sie, wenn du willst. Das ist meine Bitte. Töte sie mit dem Schwert.

Bischof nickt: Ihr habt gehört, ihr Herren!

Johann von Raesfeld. Divara allein sei ausgenommen!

Johann triumphierend: Nie wird Divara euch in die Hände fallen. Gott hat sie hinweggeführt aus Münster.

Bischof. Führt ihn fort!