Knipperdolling erhebt sich entschlossen und zornrot: Sieh zu, Dusentschur, ob nicht schon ein Stern am Himmel steht.
Meinhard. Eins will ich euch noch sagen: Der Bischof hat geschworen, die ganze Christenheit aufzubieten, wenn es sein muß, um euch zu vernichten, ihr Tempelschänder und Weiberknechte ...
Geschrei: Schamloser! Freches Maul! Unverschämter! Schlagt ihn nieder! Sie stürzen sich ihm entgegen. Plötzlich aber lassen sie ab.
König Johann erscheint, gefolgt von seinen Trabanten. Ein Page trägt sein Schwert.
Johann trägt eine Art Kutte aus Sackleinwand. Arme und Füße sind zum großen Teil nackt, ebenso der Hals und ein Teil der Brust. Er sieht aus wie ein Zimmergeselle. Dünnes Kinn- und Lippenbärtchen. Sein Gesicht ist schlicht, aber ungewöhnlich klar in den Linien, fast edel. Seine Augen glänzen, auch auf seinem Gesicht liegt in besonderen Augenblicken Glanz. Er lächelt selten, dann eigentümlich, zuweilen gespenstisch. Seine ganze Haltung ist voller Würde und großer Schlichtheit. Seine Stimme ist metallen, zuweilen aber auffallend sanft und singend. Er erweckt manchmal den Eindruck eines Schlafwandlers. Er ist 25 Jahre alt.
Johann betritt die Halle. Hinter ihm Roll. Volk sammelt sich an.
Johann. Friede sei mit euch! Er verneigt sich.
Alle. Friede sei mir dir, Johann! Sie verbeugen sich tief. Das Zeremoniell der Täufer ist so, wie wenn Bauern höfisches Zeremoniell nachahmten, würdig und schlicht.
Johann betrachtet den martialisch aussehenden Gefangenen. Mit einem Lächeln zu den Genossen: Heute nacht träumte ich, ein Wolf kam in meine Stube. Ich wollte auf ihn losgehen, um ihn zu erwürgen, da erschien eine weiße Taube und setzte sich auf meine Hand. – Hier ist er ja, der Wolf. Er geht zu Meinhard und betrachtet ihn wieder. Meinhard ist betreten und verwirrt. Gott möge dir gnädig sein, du Ärmster der Armen! Mit diesem Antlitz wirst du nie die Schwelle des Paradieses überschreiten!
Meinhard weicht zurück.