Johann. Hoffärtiger! Ich kann deinen Kopf auf eine Stange stecken auf dem Wall, daß man ihn weithin sieht. So wie es der Bischof getan hat in der verflossenen Woche an meinem Bruder Dietrich Dettner, den seine Wachen anhielten.
Meinhard. Habe ich die göttliche Ordnung von Herrn und Knecht umgeworfen und den Knecht dem Herrn gleichgesetzt? Habe ich Arm und Reich gleichgemacht? Auch dein Kopf, Johann, wird bald auf einer Stange getragen werden! Dein Ende wird noch viel schrecklicher sein, Johann, das prophezeie ich dir!
Johann. Es wird geschehen, wie Gott es beschlossen hat. – Ich kann auch ein Gespenst aus dir machen, Hochmütiger. Wo ist Bruder Hänslein? – Tritt vor, Bruder Hänslein.
Hänslein tritt langsam, voller Furcht, in die Halle. Er ist ein menschliches Gespenst, irrsinnig, die Augenränder zerfressen. Er trägt nur ein schmutziges Hemd und ist zu einem Skelett abgemagert. Sein Anblick ist so entsetzlich, daß Meinhard einen Schritt zurückweicht.
Johann. Sieh ihn dir an, Meinhard. Der Bischof hat ihn zwei Jahre im Turm gehalten zu Iburg. Als er noch ein Mensch war, hieß er Hänslein von Langenmantel und war zuletzt Rektor der gelehrten Schule zu Schmalkalden. Zu Hänslein. Habe keine Angst, Hänslein. Niemand wird dir hier etwas zuleide tun. Streichelt ihn. Sage dem Herrn dein Sprüchlein auf, Hänslein.
Hänslein mit einem irren Lächeln, im Singsang, mit bebender dünner Stimme:
Lag also in dem tiefen Turm,
Der war voll Ungeziefer und Wurm.
Der Würmer und Ungeziefer Hauf,
Die taten mir meinen Trinknapf auf.