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Neuer Morgen kam — er mußte kommen, die Sonne mußte aufgehen. —

Die Sonne geht auf und die Fenster des Schlosses strahlen, als sei es zu einem Feste beleuchtet.

Es ist kühl und im Tale ziehen Nebel. Feucht riecht der Wald, es glitzert und Tau perlt an den Gräsern. Spinnengewebe hängen an den Brombeerbüschen und zwischen den Halmen, und in jedem liegt ein ovaler Tautropfen wie in einer feingesponnenen Wiege.

Es rasselt, der Wagen fährt vor. Ich trete aus dem Hause, Pazzo folgt mir. Ich spreche mit dem Kutscher. Mägde schleppen das Gepäck.

Da kommt Ingeborg die Treppe herunter, sie knöpft sich die Handschuhe zu. Sie trägt einen breiten Hut und das ist auffallend, denn den ganzen Sommer über trug sie nie einen Hut. Der Hut verändert sie, der Reisemantel, fast wie eine Fremde sieht sie aus.

„Ein schönes Reisewetter, Ingeborg“, sage ich. Ich lächle, ich will es ihr leicht machen.

Ingeborg hat Tränen in den Augen.

„Verzeih, verzeih“, flüstert sie und beschwört mich mit den Blicken.