Ich verstand die Trinker, die Verbrecher, die Elenden, die Verworfenen.
Ich erinnerte mich an Harry Usedom, wie er vor uns im Walde stand und mit den Fingern auf sein Herz trommelte. Ich erinnerte mich an Claire Davison, wie sie vor mir stand, einst, wie sie drei Worte sagte: Leben Sie wohl! Ich verstand sie nicht, nicht diesen Blick. Ich habe gesündigt an ihr, schwer gesündigt.
O, wenn dich einer liebt, so sei gütig und schonend gegen ihn, wandere, wandere, bis du ihn findest, wirf dich in die Knie und danke ihm!
Ich irrte umher. Tage und Nächte. Lange Tage kam ich nicht in mein Haus zurück. Lange Tage kam ich nicht in eine menschliche Wohnung. Ich war da tief drinnen im Walde. Ich redete mit mir, mit den Bäumen — —
Ein neues Herz, ein neues Hirn! Es betete in mir, betete — —
Ich habe Ingeborg oft gesagt, daß ich sie liebe. Nein, ich liebte sie nicht. Ich glaubte es, ja, ich log nicht, aber ich liebte sie in dem Augenblick erst, da sie mich verließ. Ich wußte nicht, was Liebe ist, nein. Nun wußte ich es. Ich fand kein Wort mehr für diese Liebe, die die richtige war. Flammen, Brausen, das war sie. Sie zerriß mein Herz. Es war, als schnitten Messer kreuz und quer in meinem Herzen. Das war sie.
Ich ging durch den Wald, es war Nacht, es brauste im Walde, die Blätter fielen.
Ich ging, ich ging neben Ingeborg einher. Ich sprach mit ihr. „Ich liebe dich,“ sagte ich, „Ingeborg, jetzt, ja, jetzt liebe ich dich! Jetzt bist du in mir, jetzt — keine Worte —“ Die Tränen stürzten mir aus den Augen. Ich kniete nieder und drückte die Stirne in den Boden.
„Jetzt liebe ich dich, Ingeborg, jetzt.“ Es stach in mein Gesicht, Nadeln stachen und Ästchen, ich drückte die Stirne tief hinein, es schmerzte, ich hob das Gesicht, es war gespickt mit Nadeln.
„Jetzt liebe ich dich, Ingeborg! jetzt!“ — — —