Wer lag da drinnen?
„Ihr Tagwerk ist vollbracht. Vierzehn Kinder hat sie geboren und großgezogen. Ihre Pflicht ist erfüllt. Der Herr weiß was er tut.“
Ich atmete auf, ich trat in die Hütte. Es war düster hier, eine hohe Kerze brannte. Daneben schimmerte das friedlich schlummernde, hohlwangige Gesicht einer alten Frau. Die Frau lag langgestreckt in einem breiten, derben Sarge. Ihr Mund war einwärts gezogen und fast kreisrund, der Tod hatte alles spitzig gemacht, die Nase, die Backenknochen, das Kinn. Die Hände lagen im eingefallenen Schoße der Toten, gelb mit blauen Nägeln.
Um den Sarg herum saßen still, die Hände gefaltet, die Kinder der Toten. Es mochten ihrer wohl zehn sein, in allen Größen, Mädchen mit hellblonden abstehenden Zöpfchen und Knaben mit nußbraunen Gesichtern und wirren Haaren. Ein schlankes Mädchen von siebzehn Jahren saß auf einem Stuhl und stopfte einen Strumpf. Ihr zu Füßen kauerte ein kleines Kind, das mit Bohnen spielte. Alle hatten rote Ohren und rote Nasenspitzen, denn es war kalt in der Hütte. Sie wandten mir die Gesichter zu, als ich eintrat, aber sie regten sich nicht. Sie blieben still, die Hände gefaltet.
„Ich bin Ingeborgs Mann,“ flüsterte ich dem Mädchen zu, das den Strumpf stopfte. Ich schämte mich, dies zu sagen.
„Mutter ist tot — hohoho!“ schluchzte das Mädchen und große Tränen fielen auf den Strumpf herab.
Hohoho — weinten sie alle ringsum und sie hörten auf, als die Schwester aufhörte.
Das Kind am Boden kroch unter den Sarg, eine Bohne war fortgerollt.
Und die Tote lächelte friedlich im Lichte der einzigen Kerze.
Da liegt sie! Ingeborgs Mutter ist das!