Nein!
Wie dieses Jahr verging? Ich sage es nicht. Nein, ich sage es keinem Menschen, selbst Freund Karl nicht, nicht einmal mir. Es ist ausgelöscht, dieses Jahr. Ich habe alles, alles vergessen, ich weiß nichts mehr. Ich weiß, daß ich herum ging, sorgfältig gekleidet und rasiert, daß ich immer über Büchern saß. Was tat ich in den Nächten? Das habe ich vergessen. Ich legte ein Rosenbeet an im Parke, das kann ich gestehen, ich kann auch gestehen, daß in den weißen Zimmern des Nachts eine Lampe brannte. Zuweilen. Nicht in jeder Nacht. Ich kann auch gestehen, daß ich zuweilen des Abends zu den Giebelfenstern hinausspähte, die Straße hinunter und wartete, übrigens nicht jeden Tag. Es standen auch dann und wann frische Sträuße in den weißen Zimmern.
Ich kann auch gestehen, daß am 25. Mai Tag und Nacht eine Kerze in meinem dunklen Zimmer brannte und ich — nein!
Ich bin nicht über den Park hinaus gekommen, nicht aus dem Hause. Ich hatte keine Lust.
Die Türe des Hauses war abgeschlossen, niemand kam herein. Der alten Maria und dem Mönche hatte ich meine Befehle gegeben und sie gehorchten!
Ich sah alles, was die Bergstraße herauf kam. Nichts konnte mir entgehen.
Eines Tages kamen ein Herr in Reisekleidern und eine Dame mit brennend roten Haaren die Bergstraße herauf. Sie war ebenfalls in Reisekleidern. Ich sah sie kommen, stand hinter der Türe, Angst erfüllte mich. Sie pochten, pochten. Die Angst in mir wuchs, mein Herz stand still, ich hielt den Atem an. Nein, ich habe nichts mehr mit den Menschen gemein, ich kann nie mehr offen mit einem Menschen reden, selbst mit Freund Karl nicht, nie mehr.
Der Herr sagte: „Ist er doch verreist?“ Die Dame sagte: „Bestimmt nicht!“
Dann sagte der Herr: „Wir wollen es unter der Türe durchschieben. Er wird sich freuen darüber.“
Eine Weile verging, dann schoben sich Zeitungen herein. Die Spitzen dünner, weißer Finger erschienen. Die Dame sagte leise: „Er tut mir leid!“