Dann kam der Südwind, mitten in der Nacht, und ich erwachte augenblicklich und lachte laut heraus vor Vergnügen. Das war ein Hallo im Walde, die Bäume schüttelten den Schlaf von sich und taten laut. Seitdem war ich auf dem Posten. Der Frühling kam aus der feuchten Erde, aus der Luft, er kam von überall her. Ich stand und lauschte: es rieselte und gluckste überall. Es war wie ein verstecktes Lachen unter dem faulenden Laube, man wußte, daß da drunten Dinge vor sich gingen. Es roch so wunderbar nach Erde und Wurzeln. Das Wasser der Bäche veränderte seinen Geschmack. Und — ah! — es schoben sich grüne Spitzen durch die Laubdecke. Was für ein Grün war es doch! Ich hatte ja ganz vergessen, daß es dieses Grün gab. Feuchtigkeit schlug aus den Buchenstämmen, überall regte es sich, eine stille Ergriffenheit lag auf allen Dingen. Ich entdeckte die erste Anemone. Siehst du, Pazzo? sagte ich zu meinem Hunde, und Pazzo betrachtete aufmerksam die Blume und seine Augen glänzten.
Dann ging es im Sturmschritt vorwärts, der Frühling fackelte nicht lange. Es grünte, es knospete. Allerlei billiges, wildes Kraut wuchs zuerst, dann kletterte das Grün in die Höhe, in die Sträucher und schließlich bis in die obersten Ästchen der Buchen. Die Knospen der Kastanien tropften, Züge schneller Vögel glitten hoch am Himmel über das Tal, ein Fink zog ein im Buchenwalde, und eines Tages schaukelte ein weißer Schmetterling über die Wiese! Hoho! rief ich und lachte.
Nun war der Frühling da. Ich hatte gesehen, wie er einzog, und doch schien es mir jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster blickte und all das, all das sah, als sei er über Nacht gekommen.
Ich schüttelte den Kopf, ich konnte es nicht fassen.
Die Erde erfaßte ein Rausch, ein Taumel, sie lachte.
Eines Tages nun, da blühten die Apfelbäume an der Bergstraße . . . Sie marschierten die Straße hinab und ich begriff nicht, warum sie nicht auch noch sangen und sich schwenkten wie Fahnen.
Das schönste, was ich besaß, das war ein kleiner blühender Apfelbaum. Der stand an der Parkmauer, und ich verliebte mich jedes Frühjahr in ihn. Als ich ihn zum ersten Mal ansah, zog es leicht an meinem Herzen und mein Atem setzte eine Weile aus. Er war schön und klein, lieblich, wie eine geschmückte kleine Prinzessin sah er aus, weiß in weiß, eine kleine schlanke Prinzessin, auf die alle Augen gerichtet sind und die nicht weiß, wie schön sie ist, und daß alle Leute nichts tun als an sie denken Tag und Nacht.
Ich war glücklich und blickte in mein Herz. Da war nichts als Freude und Verwunderung.
Häufig setzte ich mich ins Gras und besah mir eine Stelle, nicht größer als die Hand. Das schwebte! Das war so kunstvoll und mannigfaltig. Ich sah mir diese handgroße Stelle an und schüttelte den Kopf, und ich begriff nichts, und eine eigentümliche Rührung zog durch meinen ganzen Körper, von den Zehen bis zum Kopfe. Großer Gott, wie hast du das ersinnen können? — Und Gott lächelte aus dem kleinsten Halme.
Es war alles so wunderbar, und ich lauschte auf meine Atemzüge. So wunderbar waren meine Atemzüge. Ich lebte. So wunderbar war dies. Ich ging in den Wald und sang, um nicht weinen zu müssen.