Wie klug diese Pharisäer doch seien! „Der Herr aber ist allmächtig, er kann meinen Stock in ein Huhn, uns zwei in Gerstenkörner verwandeln, und das Huhn frißt die Gerstenkörner auf. Niemand wird glauben, daß der Stock uns gefressen hat, und doch ist es so. Ja, bei ihm ist kein Ding unmöglich!“

Vater Giselher sprach und sprach, aß und trank. Immer wieder sprach er vom Walde und daß Worte durch seinen Kopf klängen, sodaß er sie fast greifen und festhalten könne. Allmählich nannte er eine Menge von Namen, die mir natürlich fremd waren, er fragte dies und jenes, fragte mich auch, ob ich glaube, daß Peter von der Gaschmühle das Mehl gestohlen habe, oder nicht.

Nein, ich glaube es nicht.

Auch Vater Giselher glaubte es nicht. Nein, nie und nimmermehr, denn er hätte doch Peters Vater gekannt, den ein Baum erschlagen habe in jener Sturmnacht vom 3. November 1867. Ob ich je wieder einen solchen Sturm erlebt hätte?

„Haha! Was für ein Wetter, eiei!“

Vater Giselher ahmte das Brüllen des Sturmes nach, das Krachen der Bäume, das Pfeifen der Zweige, das Schwanken der Tannen. Die Zweige der Bäume stellte er durch die ausgespreizten Finger dar, er ließ sie auf und abschwanken und stieß einige Gläser dabei um.

„Was aber nun das Sonderbare ist, dieser Peter hat das Mehl doch gestohlen, Tatsache! Er hat es selbst eingestanden, zwei Monate hat er bekommen!“

Plötzlich hob Vater Giselher den Finger in die Höhe. Der Wald sauste.

Ein Lächeln verklärte sein bärtiges braunes Gesicht und er bewegte die Lippen und klopfte mit der Pfeife den Takt auf dem Tische.

„Jaja, es leben viele Wunder im Walde“, sagte er dann vor sich hin. „Niemand weiß, weshalb die Eiche knorrig sein muß und die Tanne schlank, weshalb das Rotkehlchen eine rote Kehle hat, niemand weiß das. Warum sind die Leute im Walde gottesfürchtig und gottlos die in den Städten? Antwort? haha!“