Rasch, ohne zu denken, eilte er durch die Zimmer und klinkte die Tür auf, die vom Speisezimmer in Ellens Räume führte. Diese Türe war offen: Auf das Sofa gekauert sah er Ellen, in ihren Trauerkleidern, bleich, still, die blutleeren Lippen schmerzvoll geöffnet, die Augen erschrocken, wie die eines überraschten Tieres, auf ihn gerichtet. Ihre kleine Hand hing herab, wie gebrochen ... es tropfte und rieselte –
Sofort übersah Schwedenklee alles.
„Aber mein Kind!“ rief er aus und berührte die schmale Schulter. Er war selbst totenbleich und zitterte an allen Gliedern. In diesem Augenblicke erkannte er ganz die Größe der Leidenschaft, die ihn für dieses Wesen erfaßt hatte.
Mit den gleichen Augen eines überraschten, erschrockenen Tieres blickte ihn Ellen an.
„Verzeihen Sie mir“, flüsterte sie, ohne jede Regung.
Mit der Scherbe eines zerschlagenen Glases hatte Ellen sich die Pulsader geöffnet.
Um den Teppich nicht zu beflecken, hatte sie eine Blumenvase unter die herabhängende Hand gestellt.
Im Hause wohnte ein Arzt. In kaum zehn Minuten war er da. Es bestand keine Gefahr für Ellens Leben.
Schwedenklee schloß die ganze Nacht kein Auge. Kreidebleich, zuweilen in Ellens Zimmer lauschend, schlich er schwankend in seiner Wohnung hin und her. Er zitterte und fror entsetzlich. Laß sie leben, großer Gott im Himmel! Ja, in der Tat, Schwedenklee betete.
Und wieder stand er im dunkeln Speisezimmer und lauschte gegen die offene Tür. Sie schlief – ruhig und langsam ging ihr Atem. Der Arzt hatte ihr Morphium gegeben. Unbegreiflich schön schien es ihm, hier zu stehen, im dunkeln Zimmer, und ihren leisen Atemzügen zu lauschen.