Da wurde es Morgen.
II.
Diesen Abend ereignete sich etwas Außergewöhnliches: Ginstermann ging mit zwei Damen über die Straße. Mit zwei jungen Damen in eleganten Abendmänteln.
Ginstermann, der wochenlang seine vier Wände nicht verließ, den man nie in Begleitung sah, den noch niemand mit einer Dame hatte gehen sehen.
Sie kamen von einer Abendunterhaltung, die Kapelli, der Bildhauer, seinen Bekannten anläßlich seiner Hochzeit gab. Kapelli, der seit Jahren mit seiner Geliebten zusammenlebte, war schließlich, da sie ein Kind erwarteten, auf den Gedanken gekommen, sich trauen zu lassen. Ginstermann wohnte im gleichen Hause und war mit den Bildhauersleuten befreundet. Die Damen gehörten zu Kapellis Kundschaft und waren aus irgend einem Grunde eingeladen worden.
Kurz nach zehn Uhr brachen die Mädchen wieder auf. Sie waren kaum eine Stunde dagewesen.
Fräulein Martha Scholl hätte noch große Lust gehabt, länger zu bleiben. Sie äußerte das in Worten und Mienen. Aber Fräulein Bianka Schuhmacher war nicht dazu zu bewegen, trotzdem Kapelli und seine Frau alles aufboten. Sie gab vor, sie werde zu Hause erwartet. Vielleicht langweilte sie die Gesellschaft auch.
Zur allgemeinen Verwunderung hatte sich Ginstermann erboten, die Damen nach Hause zu begleiten.
Sie gingen alle drei langsam, wie vornehme Leute. Die Mädchen dicht nebeneinander, er links von ihnen. In gemessenem Abstand, als sei noch eine vierte Person da, die unsichtbar zwischen ihm und den Mädchen schreite.
Es sei nicht einmal kalt.