Heute, am Tag des großen fox-trott match, war, was aus diesem Doppelzimmer drang, phonetisch von einer Qualität, daß er es vorzog, den Rest des Nachmittags — bis seine Nachbarinnen angekleidet sein würden — in der Hall zu verbringen.

Nach einer Weile schreckte ihn aus seinem easy-chair kleines pausenloses Wehen. Mrs. Raeburn jagte durch die Seiten ihres Romans, blätterte fieberhaft nach der Liebesnacht und der Leiche. Er wußte, wie aussichtslos das sei, weil Hazel diese Teile soeben oben laut las, beide Ellenbogen in halbe Zitronen aufgestützt. Als Sportdame litt sie an roten Armen, und wenn auch bestimmt worden war, daß heute die weißen Kleider mit den halblangen Ärmeln getragen werden sollten — zu Hazels Freude — es grellte doch durch das Gewebe hervor.

Nun schlenkerte Gwen mit feinen langen Beinen durch die Hall auf ihre Mutter zu. Bald wußte diese um Verbleib von Liebesnacht und Leiche. Mrs. Raeburn tat so empört, daß es Gwen ein Leichtes war, ihr doch noch die bananenfarbnen Ärmellosen für heute abend abzuschmeicheln.

Wie zur „Feier der Heraufkunft des Geistmenschen“, so gab man sich auch heute vor dem großen fox-trott match gegenseitig endlose Essereien. Elchos waren einer Einladung der Principessa Dango zu Früchten und Nachtisch gefolgt. Hier konnte Gargi beruhigt sein, denn der Gastgeberin selbst — ganz Hyänenprinzessin, mit scharfer Trennung von Tag- und Nachtdiät — durften lediglich rohe Gurkenscheiben auf Rubinglas und Eis serviert werden. Von diesen schnitt sie wieder Segmente rundum ab — aß also eigentlich nur die Differenz zwischen dem Kreis und der Ludolffschen Zahl, auf daß der chinesische Lack der langen Lippen nicht springe, die, querhin wie durch Taubenblut gezogen, den superben Totenkopf wagrecht orientierten.

Da leider keine Antiphone gereicht wurden — o weise Helena Petrowna, dachte Horus —, steigerte sich dieser Auftakt des Festes ins Unerträgliche. Zu Ehren Monseigneurs und her grace of D. hatten Payne und Quadrupedescu — letzterer schwamm seit der Geisterbeschwörung in Geld — eine berühmte Zigeunerkapelle von weither kommen lassen; dazu noch ein paar andre verdächtige Erscheinungen mit rotgetupften Schlipsen, Kastagnetten und Okarinen.

Der Zigeunerprimas stand hinter dem Ehrengast, winselte diesem, infernalisch falsch, eine Art getretner Katzenschwanzweis bis tief ins Ohr. Jede Blatternarbe an ihm grinste einzeln. Monseigneur lehnte aufatmend immer tiefer zurück — ganz in den Geigenbogen hinein — und genoß, wie man es ihn für solche Fälle gelehrt hatte.

„Erstaunlich,“ dachte Horus, „was der Organismus dieses Häufleins äußerlich Gewaschener innerlich an Dreck nicht nur verträgt, sondern direkt zu fordern scheint.“ Da traf den Primas das Auge seiner Bande:

„Du bist nicht mit diesen Idioten allein,“ schien es zu sagen, „wir verbitten uns das.“ Fürchtend, die Kapelle würde meutern, gab er nach.

Im großen Tanzsaal stand der Ball nun in seinem Zenith. Staunend sah Horus auf diese erotische Friktionsgymnastik. Nicht daß sie häßlich gewesen wäre, durchaus nicht. Es traf ihn nur etwas unvorbereitet, diese jungfräulich erhaltenen Damen der besten Welt plötzlich, wie auf Verabredung, mit ihren Körpern die Sprache südamerikanischer Prostitution mehr oder weniger begabt nachahmen zu sehen; als eine Art Esperanto des Berufs war sie natürlich auch in Asien bekannt. Etwa jener Wink mit dem Abdomen, wie er vor Hafenbordellen dem Zuhälter anzuzeigen pflegt, die Kundschaft sei abgefertigt. Über solchem Gebaren von der Taille abwärts standen nun oben, wie allein gelassen, hilflose Ladygesichter: gequält und unbeteiligt.

Dann wieder trieb der Gentleman-Zuhälter, ganz in sie gewühlt, das Fräulein mit langen glatten Stößen vor sich her durch den Saal, von einer Ecke in die andre, wo das Ganze jedesmal in einem verlotterten Bockssprung erlosch. Oder hinter sie schlüpfend, stieß er ihr von rückwärts das Knie unter den Schoß, warf sie ein wenig in die Luft, um die Wehrlose im Herabgleiten dann seinem Körper hart und zielstrebig entlangzuführen — immer wieder.