„Oh I beg your pardon,“ sie waren so erstaunt, so ins Mark erstaunt, daß es die arme kleine Linda nur trieb, ins Niegewesene zu zergehen. Ein paar vage Entschuldigungen und sie hastete zurück durch all diese Korridore — Röhren der Unrast, in die es aus den Komfortpferchen mündete: verzerrte Kälte oder übelberatende Not und gieriges Bellen des Stoffes — Sattheit aus einigen — aus keinem Glück.

Bei Hazel und Gwen löste sich der Haß der Übernähe nun in gemeinsame Entrüstung.

Nein, diese foreigners — man konnte eigentlich als Lady nicht mit ihnen verkehren — nicht proper waren sie — keine. Allein in der Nacht im Hotel herumlaufen. Fremde Damen aus dem besten Schlaf wecken. Sicher wollte sie wo anders hin und sich hier nur ein Alibi verschaffen. Nun, mommo würde Sorge tragen, daß man dieser verdächtigen Südländerin von nun an allgemein mit gebührender Zurückhaltung begegne. Sie entrüsteten sich bis zu Zärtlichkeiten, die erst das Frühlicht schied.

Lizzi Beermanns Zimmer stieß an das Gemach ihrer Eltern.

Sie preßte die Polster vor die Ohren. So — so war man also entstanden. So behäbig hingesudelt in eine träge Weite, gleich nach dem Disput über die letzte Hutrechnung, und vor dem ersten Gähnen verdrossener Abkehr.

Da lag man, gedemütigt in seiner ungetanen Jugend, die es so ganz anders wissen und wahrhaben wollte. Lag hilflos heiß auf planen, toten Laken; in Empörung gegen ein weiheloses Nebenan.

Aufspringen hätte man mögen, Türen aufreißen, drauflosschreien:

„Da — das ist der ‚Kinderschlaf‘ meiner dreiundzwanzig Jahre, an den eure Faulheit zu glauben vorgibt. Ja ihr — ihr, zu träg in euren salopp gewordenen Körpern, um auch nur ein Glied selber zu straffen — anregen laßt ihr euch von dem Blut in unsren obszönen Tänzen, die wir am Schnürchen machen dürfen. Dann fragt ihr: ‚Nun Kleine, gut unterhalten? So, jetzt aber brav ins Bett‘.“ — O, wie widerlich — welch ein verlogener Käfig, dieses ganze Leben. Aber ausbrechen? Nein, zu riskant. Lieber behalf man sich noch bis zum korrekten Ende.

Manchmal gelang es wohl und man vergaß ganze Teile von sich — sank dann wie an eine fremde Wärme — an sie hin. Da waren zum Beispiel die Arme: ferne Gliederwesen, die frei spielen konnten, wo sie wollten. Aber Kopf und Lippen blieben leider immer allein und zu weit weg von allem Wesentlichen. Wie gut es die Raubtiere, überhaupt die Tiere hatten: von nichts an sich waren sie getrennt; Kelch und Gegenkelch durch eine wunderbar bewegliche Wirbelschnur biegsam verbunden. Schon als Kind hatte man im Zoo immer davon träumen müssen, wenn „miß“ vor den Käfigen die Zahnformeln repetierte. Was sich da alles machen ließe.

Und die Träume gingen bald in Geschichten über — etwas beschämende Geschichten, an denen sich ein zweites, häßlicheres Ich mästete — zu vampirhaftem Leben erweckt von unbedenklicher Hand. Die arme junge Hand wußte nicht, daß sie das Glück entwurzelte in ihrer Not. Wie es dann, am Tag der Erfüllung, heimatlos sein würde am abgelenkten Quell.