Bei jedem Schritt bricht eine Wolke warmer Narden aus brünstiger Erde. Stachlichte Früchte, schwer wie Säcke, hocken blattlos an Stämmen. Drüben schießen Jukkapalmen hinauf in die Freiheit. Bersten als Raketen in Büscheln von Leuchtkugeln auseinander. Dann wird es dunkelgrün, dicht, still. Tollgeformte Vögel auf behaarten Ästen zieht ein ungeschlachtes Horn im Kopf vornüber. In wahnsinnige Stellungen verhext, stieren sie dann aus kahlen Augenkreisen überquer ins Leere.

Auf hohen, sehnigen Beinen schleichen die beiden durch schlingerndes Grün: Bethel und Pfefferranken, dann längs des Wassers eine Schlucht hinan, bis wo auf kreisrunder Lichtung Klares rieselnd auseinandertritt, um feuchte, schiefrige Platten. Kauern heran, fahren flach nieder wie ausgegossen vor der Sonne; kein Schatten darf auf das Braun-Graue fallen, das sich eben aus der Luft dort niederläßt.

Köpfe schief, Augen wie Phosphorbänder, tasten sie nach richtigem Blickpunkt. Jetzt ein schräger Strahl, und das Braun-Graue geht in weißem Feuer auf als brennender Brillant, bricht in blendendem Äther über seine Ränder, wird zu einem kleinen Strahlensee, der auf sechs abgeknickten Fadenbeinchen sitzt, und während die atmenden Flügel sich glätten, gehen Adern aus Juwelenfarben durch sie hin. Zwei Lichtketten rinnen über die spiraligen Fühler: Antennen der Liebe, endend in einem großen Tropfen Licht.

Es sitzt und zittert. Spannung in den Flügeln steigt und steigt; zu tief erregendem Vibrieren ohne Pause: samtnem Elfenbrausen an. Da fährt ein zweiter kleiner Strahlensee im Gleitflug nieder zum ersten, und eine zarte Mythe hebt an: von Wesen, bei denen die Liebe zu einer Inkarnation für sich geworden. Wesen nur aus Organen der Wonne: ganz Auge, Flügel, Taster, Geschlecht. Keine Vorkehrungen mehr im Körper für diffamierende Funktionen: Kampf — Fraß. In einem Krampf von Stille, um Geschöpfe, die in der Liebe sind, ja nicht zu stören, schauen die Kinder das Weitergeben des Lebensfunkens in den atmenden Edelsteinen.

Unten im Tal saßen sie dann am Rand eines winzigen Beckens. An einem jener kleinen, brunnentiefen Trichter, wie sie der Fluß ausspült zwischen Felsen, deren Spiegel glatt sind und wo im Glasigen die Fische fließen. Gargis Füßchen spielten mit Staubgefäßen des rosenroten Lotos, der als Porzellan auf grünen Tafeln steht. Durchbrachen dann den lauen Smaragd und ließen sich schwimmend vom Strom dem Hause zutreiben; ließen sich fließen — tauchten — bildeten, eins ins andre verschlungen, seltsame Doppelwesen oder formten, die Beine verspreizt, aus ihren fast brüderlichen Körpern eine Art Kanu: Bug und Heck die Köpfe, Riemen die Arme.

Bei der „Höhle der weißen Träume“ suchten sie das Ufer, wateten durch Seichtes, Gargi voraus. Im schrägen Strahl blühten die beispiellosen Farben ihres Sonnenblutes auf: über grünlichem Dunkel ein silbriger Samt. Gleißend von dem Gleichen wie Panther und Orchis: dem, was von tief innen heraus zu Leben verbrannt magisch aus Fellen und Kelchen bricht.

Das selige Silber rann an ihr nieder, die Lustfurche des Rückens hinab, in der ein Wellchen sich brach. Lanzendünn blitzten die geisterfeinen Hüften.

Halb Fee, halb Knabe schien sie im Schaumschleier aus Licht und Wasser, leicht wie Schaum. Sie küßte zum Abschied die abfallenden Wassergewänder — das Verrieselnde von den Schultern, den glatten Kinderbrüstchen. Erschauerte einen Moment schmal und möwenhaft, warf dem Wind die Arme um den Hals und flog den Strand entlang.

Gut war das: die aus sich selbst bewegten Sprunggelenke spüren, ein Lebendes, Laufendes sein, das gehoben von Blut zwischen Himmel und Gestein dahinfliegt, die sich nicht bewegen können. Und hinter sich das andre laufende Leben. — Gut war das.

Denn ein Entflammter flog ihr nach.