„Ihr Gesetz wurde empirisch gefunden — seine Allgemeingültigkeit haben Sie selbst ja nie behauptet. Die neue Grenze innerhalb der es Geltung hat, präzisiert nur, mindert nicht seinen Wert. Wer hat es übrigens über die dreimillionste Primzahl hinaus verfolgt?“
„Ich selbst. Immer suchte ich nach einer deduktiven Fassung. Seine schäbige Empirie ließ mir nie Ruhe. Nun erfuhr ich, dieser Arbeit sei — als erster — der Preis aus der neuen ‚Samossy‘-Stiftung zugedacht — Vater hat nämlich meinen Bruder und mich auf den Pflichtteil gesetzt, den Stamm seines Vermögens aus schwachsinniger Eitelkeit der Akademie der Wissenschaft vermacht, damit eine Schenkung seinen Namen trage, — uns bleibt fast nur das Haus. Da packte mich wieder das Mißtrauen. Ich prüfte über die dreimillionste Primzahl hinaus und habe das vernichtende Resultat sofort rechtzeitig publiziert.“
Nun verneigte sich der Hörer auch im Körper:
„Und wer wird jetzt der erste Preisträger sein?“
„Dallmeyer für seine ‚Periodizität im Organischen‘. Er hat Margrinchen Mehmke geheiratet. Ist jetzt korrespondierendes Mitglied der Akademie.“
Die neue Stimme blieb tief und entgiftet.
„Es macht nichts — nichts macht mehr etwas. Ich habe zeither ein neues Gesetz gefunden: das Endgültige. Aus ihm aber folgt ...“
Und nun verließ er jene vage und lückenhafte Sprache, die zum Feilschen, Rechtsprechen, Dichten ausreicht, begann in der geheimen Zauberzunge aus Phantastik und Präzision zu reden, „in der das Buch der Natur abgefaßt ist“.
Nach Stunden kehrten sie wieder. Noch durchwellt von dem pausenlosen Blitz höchster Anspannung, trug Horus in sich belichtet alle Verzweigungen dieses Geisterbaus an den Grenzen des Faßbaren. Einen Augenblick lang schien ihm daneben alle Kunst, Musik — selbst das Schreiben der Neunten Symphonie hübsche, doch recht unerhebliche Beschäftigung. So entrückt lag er in der klaren Brunst des Geistes.
Schwieg lange. Schwieg sich wieder zurück zur Welt: der empfundenen Zahl: der tönenden, strahlenden, geschmeckten, allumarmten Zahl. Sagte in der Leutesprache: