„Wo fange ich an — wo ende ich?“ staunte immer weiter. Rann noch einmal mit allem Gefühl vom Herzen in die Körperspitzen, wollte ins Grenzenlose, konnte nicht weiter, war von diesem Augenblick an bewußt mit der Welt in Ich und Nicht-Ich zerfallen, das Wunder Dasein hatte fragende Augen aufgeschlagen, die sich erst im Tode schließen. Das Fremdlinghafte war da; für immer. Mit ihm: Persönlichkeit, Einsamkeit und Sehnsucht.

Das wußte aber die winzige Philosophin noch nicht. Vorerst ging alles in Staunen auf. Probleme spannten helle spitze Flügel, wollten durch sie hindurchbrechen, pfeilrecht und silbrig, die junge Seele erfüllen und tragen.

„Warum hast du nicht gegrüßt? Was wird die Frau Regierungsrat Dostal denken.“

Papas Augen und Stimme rissen durch den dünnhäutigen Kinderkörper hindurch. Die gestockte Zeit begann auf einmal heftig zu laufen. Der Wagen fuhr weiter durchs Tor. Alle Dinge taten wieder und man schrak auf in einem Abgrund von Verworfenheit, saß bestürzt mit einem Bums mitten in unübersehbaren Folgen: hatte zu grüßen vergessen. Das Herz schlug breit wie ein Fächer durch die ganze Brust.

„Weil du immer deine Hand angeschaut hast. Immer muß sie sich bewundern, der eitle Fratz,“ sagte Mama.

„Fratz,“ das war wie ein verzerrter Blitz und kreischte obendrein.

„Aber ich hab’ ja gar nicht ... bewundert,“ wollte das Kind beteuern.

„Lüg nicht, ich hab’ es doch selbst gesehen.“

„Ja, aber ...“ man stammelte, suchte gierig das mit dem „Ich“ und „Nicht-Ich“ zu erklären.

„Wirst du endlich still sein und nicht fortwährend nachmaulen.“ Papa machte seine aufgerissenen Glasaugen aus ungeheurer Macht, vor denen man immer sehr erschrak.