„Und — das, wie die unglückliche junge Frau zugrund ging (dachte dabei: durch ihn zugrund ging), ist es schon überwunden?“
„O, er hat ihr längst verziehen,“ sagte die Hörige pathetisch, „er ist ja so gütig.“
Dieser nachgesprochene Satz war schuld, daß Ralph Hersons Besuch nur in der Hotelhalle und mit den äußersten Enden der Höflichkeit angenommen wurde. So großäugig natürlich, so geistig gelächelt, so sehr leidlose Anmut war alles um Sibyl, daß die Magie in seine ungleichen Augen tief zurücktrat und alle kauernde Freude dazu. Er blieb und blieb. Ging zögernd, fast mutlos endlich, als sie den Lift bestiegen. Drehte, schon an der Tür, doch noch um, — war in vier Sprüngen wieder am Aufzugschacht — horchte in ihn wie in leere, letzte Erwartung; vielleicht, um ihren Schritt über der Stufe oben zu spüren. Der Lift hielt falsch, etwas zu hoch, dann wieder zu tief. Da hörte er lotrecht über sich die mädchenhafte Damenstimme sagen:
„Aber Sie fahren mich ja hinab, statt hinauf.“
Ein vogelheller Jubelton —. Eine gerührte Erlösung — ein beispielloses Entzücken: eine Hymne der Hingabe — an den Liftboy.
Ralph Herson neigte den großgewellten Greifenkopf. Zog die Luft ein in einem endlosen Atemzug, ging ganz langsam ins Schreibzimmer, entnahm der Brieftasche vor dem Herzen die eigens für ihn gebaute Feder von niegesehener Breite, verschrieb die halbe Nacht und den ganzen Vorrat an Hotelpapier. Faltete es. Sammelte sich noch zu den starken und kühnen Zügen der Adresse, wie zu einem Weitsprung. Hielt. Es blitzte in dem Geäder seiner Schläfe. Kleine Verstöße, die er begangen, kamen ihm peinlich wieder: ein deplaziertes Wort, eine rauh gereizte Bewegung, wegstrecken des kleinen Fingers von der Teetasse.
Gutmachen sofort! noch mehr: vorbeugen. Er entbreitete noch einmal das ganze Pfauenrad der Verzückung, schrieb darunter:
„Meine liebe Zauberin! Lächeln Sie über mich? Doch bin ich mit Ihnen, ist stets die Hälfte meines Geistes in Adoration verloren — Du kennst mich nicht, mein besseres Teil. Die Schüchternheit vor Dir — vielleicht die Letzte, die mir im Leben geblieben — läßt mich dann trivialer, törichter, rauher erscheinen, als mir wirklich zu Mut ist, ja ich suche manchmal nach irgendeiner albernen Bemerkung, manierlosen Geste, um die wirkliche Bewegung zu verbergen.“
Als sie kam, fuhr er ihr doch zur letzten Station entgegen, wider alle Verträge. Sprang vom Rad, lief die bremsende Expreßkette entlang, die Arme voll blühender Zweige, warf sie durchs Fenster, dunkle Strahlenbündel hintennach.
„Dem liebsten Gast!“