„Es ist für mich — für unser Heim.“

Und wartete geduldig im Kreis der Gaffer, bis Fahrgast und Führer sich auf fünf Soldi geeint.

Endlich kam der letzte Verhandlungstag. Die Erniedrigung schien ausgelitten. Sibyl atmete schon auf, da stand plötzlich wieder ein neuer Jude da und sagte, er sei Ehebandsvertreter und von Staats wegen bestellt, auf alle Fälle dagegen zu sein. Nichts war ihm recht, nichts ließ er gelten. An „unüberwindliche Abneigung“ glaubte er so wenig, wie an böswilliges Verlassen. Riet im Gegenteil den anwesenden Parteien dringend zu neuerlichem Geschlechtsverkehr, von dem er sich viel erhoffe. Während sein eingespeicheltes Wohlwollen bewies, wie doch selbst so gewissenhaft geführte Verhandlungen gar nichts Trennendes zutage gefördert, das zu einer Scheidung berechtige, streifte Sibyl ganz langsam den Handschuh ab, betrachtete, Tiefes sinnend, die kleine Narbe am Gelenk, sah dem Ehebandsvertreter dann plötzlich mit solcher Kraft des Hohnes in den Mund, daß er zwar noch alberner wurde, von den dösenden Richtern jedoch nur ein Probejahr verlangte, statt zwei. Es nützte ihm aber nichts. Die Ehe wurde getrennt.

Also frei. Sie dankte ihrem Anwalt, sprach ihm, zum ersten Mal, von neuer Bindung.

„Ausgeschlossen,“ sagte der Alte — „erst in sechs Monaten — als Frau. Nur der Mann kann sofort wieder heiraten.“

Da verlor sie zum ersten Mal den Mut, stammelte:

„Und wann — wann dürfte sie ein Kind ...“

Der Alte kam ihr zu Hilfe, hatte dieses hohe, zartfremde Wesen lieb gewonnen, das da hilflos in seiner Kanzlei sich die Flügel zerstieß, und dem er als Baby einst das schmale Goldhaupt geküßt.

„Kommt das Kind ein Jahr nach erfolgter Scheidung zur Welt, gehört es der Ehe nicht mehr an, kann aber ohne weiteres durch eine andere Heirat legitimiert werden, die allerdings erst sechs Monate nach erfolgter Scheidung geschlossen werden darf.“

Sibyl war ganz perplex über die klare Antwort. Mochte der Inhalt auch Unsinn sein, man wußte wirklich, woran man war.