Diana Elcho lag flach auf dem Bauch in der Halle und spielte mit dem Spektrum.

Pendelte den Wasserspiegel im halbgefüllten Kelchglas linde vor sich auf und ab. In ätherischen Kanten schlug die Sonnenpyramide hindurch, schlug ihre winzige Farbengarbe auf die Hand der Frau. Ein Cabochon am kleinen Finger daneben verschleimte — ward unmöglich. Nur ein Edelstein: Licht, schon verunreinigt durch Erden. Sie streifte ihn ab. Auch die Hand nicht hell genug. Sie suchte nach anderer Foliierung. Wollte den Sonnenbruch ins schmerzhaft Herrliche heben. Papier — Seide — Porzellan? Suchte passives Weiß, nicht spiegelnd, nicht körnig, nur gleich und rein. Über Alabaster endlich wuchs — wie von flüssigen Brillanten getragen — das winzige Band zu solcher Intensität in einen Paroxysmus des Glanzes hinein, der betäubte. Sie spürte ihr Herz.

Die anderen kamen, kauerten herum, spielten schauend mit. Ein kleines Insekt aus der Luft knallte seine Chitindeckel zu, schlenderte zu Fuß verblüfft durch die flimmernde Wandelbahn von Purpur nach Violett; an der unstofflichen Wonne des Gelb lutschte es ein wenig. Sie nickte ihm zu, sah auf:

„Gut haben’s die Ganzkleinen. Schönes ist immer so groß für sie. Ihnen wachsen fugenlose Häuser aus elastischem, leuchtendem, duftendem Stoff, mir sieben Jahre Mühen, bis sich nur das Furnier der Bibliothekslambris restlos schloß. Der da aber geht gar in den sieben ersten ‚Taten des Lichts‘ spazieren. — Wir sind zu groß. Reines reicht kaum für den kleinen Finger; der Rest tunkt schon wieder rundum in den Sudel.“

Und dann bekam Diana Elcho langsam ihr großgewordenes Kindergesicht.

Van Roy lächelte Horus in die Augen:

„Das wird ein Nachspiel geben.“

Sechs Monate später lud sie beide in den neuen Annex am südlichen Park. Umplankt von freiwilliger Diskretion, war sein Inhalt Geheimnis geblieben. Passierten das Atrium, glitten auf eine Rundbank in der lichtlosen Apsis aus silbrig-finsterem Labrador. Die dreht sich mit ihnen langsam hinein in ein alabasternes Riesenei: nur Raum, strahlender Materie voll bis zum Rand. Wabernde Spektra, dick wie Wildbäche, stürzen in ihn und lautlos zueinander, von äußeren Spiegelreflektoren durch Prismenbänder längs der Wände rundum hereingebrochen in das lebendigweiße Ei. Eiskalter Staub von süßem Wasser fängt die Spektra in der Luft — hält sie schwebend im Raum. Kühlt zugleich.

Doch es ist zuviel. Die Blicke werden hart, erstarren in einer Lichttrance zu Stein. Der Reiz dieses leeren, beziehungslosen Glanzes steigt zum Bersten an; schreit nach Zentrum — nach Kern.

Da kommt aus dunkler Zwillingsapsis gegenüber die Erlösung. Durchsichtig wie Libellenschatten. Zittert vor Sonne. Legt opalisierende Hände weich vor sich auf die Farben, wie trinkende Vögel. Kommt auf langen, zarten Schenkeln durch die fließenden Edelsteine gewandelt bis in die Mitte des Raums: steht nacktklar im gewalttätigen Licht. Schräg schlagen Flimmersäulen von Purpur bis Violett hart durch den feinen Körper, durch Hals — Herz — die fingerdünnen Weichen hin: ein junger Büßer steht gepfählt an ein geheimnisvolles, sehr wonniges Martyrium, das er auf weißen Lidern trägt.