„Rom? — Oh mommo, das war doch dort, wo wir die hübschen seidnen Strümpfe zu 14 Frs. 75 gekauft haben,“ und Genia Waanebeeker wechselte zum Kamin, das kühle Gelee ihres Temperaments erzitterte leise, denn dort zerfloß schon allzulange Linda Bordone neben dem schönen Archangelo Cavadini.

14 Frs. 75, das ist doch 3 Dollar 5 Cent, oder verwechsle ich es wieder mit Fahrenheit — aber meine Liebe — bei Debenham und Freebody bekommen Sie doch first class hosiery für eleven six pence, das ist nur 13 Frs. 90! — überhaupt London: da haben Sie Harrod’s und Jay’s und Selfridge — und ... Aber ein Gegenchor stand auf: nein, es gibt nur ein place for shopping: die Galeries Lafayette — die Transformationen dort, die „blouses“ und alles versank endgültig in dem Rachen des großen Pofels.

Er war sehr begehrenswert, sehr anders, wie er im makellosen Abendanzug durch den Saal schritt, sogar die Mütter tauchten einen Moment aus den „Galeries Lafayette“, wo es am tiefsten ist, und berieselten ihn gierig mit ihren Lorgnons.

Er fühlte: eine stilisierte Sehstörung in Brillanten an einer byzantinischen Nabelschnur. Wie kann man etwas für jedes halbwegs gesunde Empfinden so Beschämendes, wie einen Defekt am edelsten Sinn: dem Auge, noch durch Edelmetalle und Steine unterstreichen — wie kann man sich mit einem Körperfehler schmücken? Da bemerkte er, angewidert und belustigt zugleich, daß ja auch manche Lorgnons in Fingern ruhten, die Ringe an Gichtknoten trugen.

„Warum hängen sich die alten Frauen in Europa nicht lieber einen Scheck in gleicher Höhe um den Hals, wäre das nicht optisch erfreulicher, als Perlen über häutige Hälse holpern zu lassen?“ Und die traurige Frage ward groß in ihm: „Werden die Menschen im Alter um so viel häßlicher hier, weil sie sich selbst ähnlicher werden?“

Getrennt von der kompakten Trabrennhorde trieb sich ein scheinbar wildlebender Jobber: Drilling aus Roßtäuscher, Schmierenkomödiant und Galopin ständig in der Nähe der Separées herum. Träufelten dann Privatgesellschaften heraus und zerflossen in die Hall, versäumte es die Gastgeberin fast nie, gerade diesen etwas von oben herab — und doch wieder ängstlich — in ein Gespräch zu verwickeln. Als Horus vorbeiging, stand eben eine Dame, nach dem Kanon des Öltanks gebaut, bei ihm:

„Prinz Strasyboulos Argyropoulos führte die Hosteß Mrs. Beermann aus Chicago, die in einer höchst kleidsamen Kreation von Cheruit besonders faszinierend aussah. — Nein, schreiben Sie lieber: Der Marqueß of Kar and Kinstone führte die Gastgeberin Mrs. Beermann aus Chicago, die ...“ Ganz am Ende kam noch eine Reihe wohlklingender Gäste.

„Kein Mr. Beermann — keine Miß Beermann anwesend?“ Der Drilling frug es mit sardonischem Grinsen.

Sie zauderte. Sollte diese makellose Dinnerfassade durch weitere Beermanns Abbruch leiden? „Nein,“ entschied sie, „die Liste ist vollständig; aber daß es sicher morgen im Herald erscheint.“

Und die so jäh dem Schoß ihrer Familie Entbundene versuchte sich mit gnädigem Nicken zu entfernen.