„Als angehender Politiker,“ fuhr er fort, „wäre es überhaupt für mich vorteilhafter, noch nicht gebunden zu sein — aber sollte ich mich entschließen — wir, die wir für ein größeres Italien kämpfen, für den Genius der Rasse ...“

„Ist denn Genia der Genius der Rasse,“ zischte sie plötzlich kalt wie Metall.

„O, wie töricht sind unsre Männer, immer auf diese Fremden hereinzufallen. All ihr Geld brauchen sie für sich allein, der Mann darf nicht einmal das Auto mitbenützen, und raucht er im Schlafzimmer eine Zigarette, so lassen sie ihn verhaften.“

„Quadrupedescu hat gestern nacht beim Bakkarat Monseigneur 200000 Frs. abgenommen,“ meldete Genia Waanebeeker. Von den Raeburngirls lange aufgehalten, denen ihre Eile verdächtig gewesen, hatte sie erst jetzt den Kamin zu erreichen vermocht.

„Welch bezauberndes Kleid — wo ist es her?“ Und sie verschob dabei mit zärtlicher Hand ein ganz klein wenig die Garnierung, die in Lindas Rücken ein Feuermal verdecken sollte.

„Callot sœurs,“ und Linda erhob sich, um in die Garderobe zu gehen. Ohne Doppelspiegel konnte sie das im Rücken nicht richten, und ihr Lächeln war auch schon ganz durchgewetzt. Einen Augenblick zischten sie maskenlos gegeneinander an; das latent Megärenhafte, heraufgespien in ihre jungen Gesichter: zwei fletschende Gorillaweibchen mit schleifenden Vordergliedern unter Talkumpuder — bekleidet von Callot sœurs.

Wie Linda hinausschritt, betrachtete Horus die gerühmte Toilette. Sie schien ihm eine überaus verzwickte Angelegenheit: vorne schief, rückwärts gewickelt, mit der halben linken Brust auf der rechten Schulter und einer gestickten Geschwulst ohne ersichtliche Existenzberechtigung um den Nabel; es sei denn, das Ganze stilisiere einen verwachsenen Knaben im fünften Monat einer Gravidität.

„O, Callot“ — Genia sprach es Kéllo — „ich gebe meinen untersten Dollar bei Kéllo aus!“ Daß auch Europäerinnen in Paris arbeiten ließen, fand sie eigentlich anmaßend.

Sie trug den Kopf sehr hoch. Teils als Bürgerin der „grandest nation of the world“, teils der leisen Drohung des mütterlichen Doppelkinns sich bewußt. Sie mußte sich beeilen, ehe Linda zurückkam:

„Eine Rente; Kapital zahlt dad nicht heraus, aber er ist eine Million Dollar wert, und da mommo sich sicher scheiden läßt, bin ich einzige Erbin. Dads Leber ist auch gar nicht in Ordnung.“