Er lief mit den Augen über Hall, Salons, Bar. Endlich in soviel Geiz, Grelle und Gier das erste glückliche Gesicht. Der frohe Mann ruhte, einem friedlichen Engerling gleich, hell und fett mit dem Ausdruck verklärter Dankbarkeit gegen Gott und die Welt in einem easy-chair. Sein einziges Kind war hier im See ertrunken, und so war es auch der einzige Ort, den seine Gattin mied. Hier war er sicher. Überall anders hin reiste sie nach, nahm mit stürmender Hand Freudenhäuser, in denen sie seine Anwesenheit vermutete, überschüttete ihn dann mit tätlichen Insulten, Ehebruchsklagen; scheiden ließ sie sich nicht. „Bis zum Tod“ war die Devise ihrer zähnefletschenden Treue.

„Margot — Margot.“

Widerwillig löste sich ein leuchtendes Mädchen aus der Gruppe College boys auf Weihnachtsferien. Wie Enden des jäh abgerissenen Flirts wehte es hinter ihr her. Die Knaben wachten auf aus ihrer Freude, empfanden wieder die eigenen Bernhardinerpfoten überall um sich im Weg und wurden knurrig.

„Jeder ein Shiva mit siebzehn Ellenbogen,“ dachte Horus erheitert, dem Plumpheit — ungeschlachtes Wesen — an Jugend etwas ganz Neues war.

„Margot — Margot,“ die wenig elegante Frauensperson in seiner Nähe winkte das leuchtende Mädchen immer energischer zu sich. Dieses erlosch. Man sah förmlich, wie das Glück in ihren Nerven stockte.

„Was ist denn wieder — was störst du uns?“

„Sind das vielleicht Epouseure? Was treibst du dich mit solchen Buben herum? Sind das Aussichten?“

Sie hatte, gereizt wie sie war, so wenig leise gesprochen, daß Horus erst jetzt aus dem Bereich ihrer Worte herauskam. Dafür sah er Margot Chenal mit ihrer ganz verzerrten Miene die Antwort nicht schuldig bleiben.

In seinem Hotel zu Paris war ihm die auffallend rassige Südfranzösin öfter mit dieser Frau, einer Tante aus Rouen, wie er erfuhr, auf der Treppe begegnet oder im Lift, ohne daß die beiden jedoch Gäste des Hotels gewesen wären. Sie verschwanden immer entweder in den Zimmern der Mrs. Ralph Waldo Cushing, einer der Töchter Rosenbuschs, oder anderer, sehr reicher Amerikanerinnen.

An dem Mädchen, dessen Temperament ihm imponierte und angenehm auffiel, trotz etwas hilfloser Direktheit, war ihm zweierlei nicht entgangen: das pauvre, schlechtgeschnittene Tailormade und die außerordentlich eleganten Lackschuhe mit ihren kostbaren Schnallen. Immer das gleiche Kostüm, immer verschiedene neue Schuhe. Nur mühsam schien dem Kind das Gehen, und eine Falte des Unbehagens rann ihr dabei zum Kinn, und doch stieg sie oft und oft die Treppen auf und ab, oder lief rund um die Place Vendôme. Einmal erkannte er ein Paar besonders falsch gebauter Sämisch-Leder-Pumps, die große Zehe lag in der Mitte des Schuhes, an Mrs. Cushings Füßen wieder. Sie machte gar kein Hehl daraus. Es sei in Newyork Sitte, sich diese immer etwas schmerzhafte Schuhpremiere zu ersparen, die Chaussüre von jungen Personen, die man dafür bezahlte, erst ein paarmal weichtragen zu lassen, es schonte doch sehr.