„Überhaupt ein europäischer Präsident,“ knurrte er, „das hat ja bloß drei Funktionen. Erstens: alle verbündeten Kaiser-, Königs- und Fürstenkinder zu Weihnachten mit Puppen zu versorgen. Zweitens: in allen zeitgenössischen Monstreskandalprozessen restlos verwickelt und auf das Schwerste kompromittiert zu sein. Endlich mindestens einmal in der Woche für das Kino bei strömendem Regen, mit triefendem Schirm und Zylinder, hinter einem berühmten Leichenwagen herzustapfen. Das ist ein Präsident — in Europa,“ fügte er mit der Miene eines Tigers, der ein Kipfel ausspuckt, hinzu.
Archie Payne schlurfte, Fäuste in den Hosentaschen, herbei. Glatt hinausgestrichen war das albinobleiche Haar aus dem eiskalten Hexengesicht des Neunzehnjährigen. Er wäre der erfolgreichste Snob Newyorks, also der Welt, geworden, hätte ihn seine explosive Frechheit nicht zuweilen wieder betrüblich zurückgeworfen — den restlos Bedientenhaften, den Geist ihrer Umgebung stets mit der Gewissenhaftigkeit von Chamäleons Widerspiegelnden, zum Gewinn.
Mit geheimnisvollem Sphinxlächeln raunte er den andern zu:
„Es gibt sogar noch heute lebende Schweizer, aber verraten Sie die armen Dinger nicht.“
Er schien mit Bardenhänden in eine imaginäre Leier zu greifen und machte Märchenaugen:
„Hark! In seltenen hellen Nächten — um die Mitternachtsstunde — da kommt es bisweilen im Mondlicht hervorgehüpft und heißt etwas, das klingt wie ‚Rüdisütli‘. Doch schon stürzt sich die lauernde Horde der Weltkommis mit Blitzlicht, Büchse und Selbstknipser, ‚hurra‘ aus dem Hinterhalt brüllend, drauflos, und mit einem Pfeifen der Angst verschwindet es, gleich dem Murmeltier, wieder hurtig im Gestein.“
„Nun versuchen Sie’s doch einmal mit einem Schmetterlingsnetz oder einer Zauberformel, Archie,“ meinte Sir Osmond. „Ich zahle jeden Preis und den doppelten für das lebende Exemplar.“
Der Marchese Strondoli wartete. Er wartete seit sieben. Jetzt war es halb elf. Seit vier Uhr machten die beiden Friseure Schichtarbeit, desgleichen die erste und die zweite Kammerfrau. Die strategische Leitung lag in den behaarten Händen des zahmen Russen vom Moskauer Ballett; Entwerfers der Kostüme und Garderobiers.
Im kleinen Drawingroom nebenan wartete auch die Gastgeberin: her grace of D. mit den übrigen Gästen. Strondoli aber hatte jene Dame, auf die alle warteten, in der Hall zu empfangen, als der erkorene Begleiter. — Vermutete man mehr, so lehnte er geschmeichelt und kraftlos ab. So einfach aber lagen die Dinge durchaus nicht.
Vor einer halben Stunde war gemeldet worden, sie stehe schon auf dem Korridor. Auch daraufhin blieb er innerlich noch immer mit untergeschlagenen Beinen sitzen — wußte: force majeure, was einer Dame im letzten Moment noch alles an Kosmetik einzufallen vermag.