Sternkunde. Die ernste Prinzessin sitzt vor einem Tellurium und läßt sich belehren von einem Prinzen, der durch ein Augenglas auf das Instrument niederblickt. Der Fürst richtet ein Fernrohr zum Nachthimmel empor. Ein junges Paar tritt aus der Dunkelheit heraus, noch in ernstes Gespräch vertieft.

Baukunst. Ein Prinz in der Rolle des Hofbaumeisters unterbreitet dem Fürstenpaar Risse zu einem neuen Gebäude, allem Anschein nach in Tempelform. Die Fürstin, offenbar erfahren in Kunstfragen, gibt sachliche Auskunft über ihre Wünsche. Der Fürst hört gefällig und nachgiebig zu und wird bewilligen, was der Bau kostet. Der Herr Hofbaumeister ist ganz Ohr, wird seine Zeichnung zusammenrollen und mit tiefer Verbeugung verschwinden. Meßinstrumente und Zeichengeräte liegen rechts vorn auf dem Arbeitstisch.

Bildhauerkunst. In einem Atelier, wo fertige Arbeiten und Modelle die Stimmung andeuten, überreicht der Künstler eine Porträtbüste in Wachs. Die Empfängerin blickt mit ruhiger Verwunderung auf das Kunstwerk. Ihre Hofdame im Hintergrund, ein feuriges Gemüt, will den Beifall in ein spitzes Witzwort kleiden.

Malerei. Ein Atelier mit dunklem Behang bildet die Szene. Die Malerin wendet dem Beschauer den Rücken zu. Sie blickt scharf seitwärts auf ihr Modell, dadurch zeigt sich ihr Gesicht im Profil. Das Auge ist ganz Aufmerksamkeit, die Miene vollständig erstarrt. Auf der Staffelei entsteht ein Brustbild. Lieblich in Blick und Haltung, zwingt sich das Modell zu Geduld. Geistreich trägt eine Hofdame zur Unterhaltung bei.

Musik. Ein Herr und eine Dame halten ein Liederalbum: »Ach, kleine Rose, glaube mir, du sollst Luzinden schmücken!« Die Dame singt aufmerksam, der Herr vergißt sich und seinen Gesang in ihrem Anblick. Ein Flötenbläser begleitet das Lied. Zwei Hofdamen flüstern miteinander, eine ernst, die andere schalkhaft, sie deutet auf den Flötenbläser, vielleicht weil er Linkshänder ist!

Die Goldrahmen der Bilder setzen sich aus kräftigem Blattwerk zusammen, wiederholt scheinen Farnwedel als Anregung gedient zu haben. Zierliche Goldleisten mit zarten Ranken fassen die grünen Wandfelder ein. Die Pyramidenöfen heben sich von lebhaft verzierten Ofenstücken sowohl hier, wie in dem graugrünen, einfachen Eckzimmer ab, wo Palmblätter in dem Formenspiel Verwendung gefunden haben. Die Decken sind schlicht weiß, aber mit duftigen Rosetten verziert.

Mehr seltsam als schön wirkt das Bänderzimmer, früher als Vorraum für Audienzen benutzt. Auf düster grün gemalten Stoffbahnen heben sich weißgraue ovale Medaillons ab mit Köpfen in römischem Stil. Bandschleifen, rot und grün, halten die Plaketten und flattern weithin herab über die Wandflächen, von Blumengewinden durchflochten.

Die Galerie an der Ostseite des Großen Saales hat wiederholt während der Baujahre Änderung des Planes erfahren. Schließlich gab Johann Friedrich dahin den Ausschlag, daß nicht Bildnisse von hoher Kunst, sondern weniger anspruchsvolle Landschaften die kunstvoll geschnitzten Rahmen Kändlers füllen sollten. Reinthaler entwarf daher zwölf Landschaften, in der Mehrzahl mit großen Figuren im Vordergrund, und setzte als unteren Abschluß in die geschnitzten Rahmen prachtvolle, gemalte Rokokogitter ein mit ausgiebigem Formgefühl in immer neuem Schwung der Linien. Landschaften und Figuren atmen den Geist des achtzehnten Jahrhunderts. Übertrieben steile Berge, Paläste und Ruinen aus der Vergangenheit, aber ohne tieferen Sinn für ihre Bedeutung, Weltverkehr aus der Gegenwart, namentlich Beziehungen zu Asien und Amerika, und das Hochgebirge, das noch schreckhaft empfunden und gefürchtet wurde! Nähe und Ferne, Gegenwart und Vergangenheit kommen zur Darstellung in den Figuren und gewähren Einblick in Beschäftigung und Sehnsucht ihrer Entstehungszeit.

Auch ein Stück »Chinoiserie«, ein japanisches Zimmer, atmet noch Modelaune der Rokokozeit: Hinaus in ein erträumtes fernes Glück! Wiederum eine Vorahnung der Romantik! Seltsam nüchtern darin die kleinen Porträte aus den gräflichen und fürstlichen Familien!

Unruhig und bizarr der Traum!