Das Haus des Kantors Unbehaun lag zu Schillers Zeit als erstes Gehöft des Dorfes rechts am Wege, gegenüber der Porzellanfabrik und der Kirche. Es hat durch Umbau Veränderung erfahren, aber Hof und Nebengebäude zeigen noch die alte Stimmung. Hier sorgte der treue Hauswirt, wenn nötig mit dem Fliegenwedel in der Hand, daß die Kuh den Herrn Doktor nicht störte. Alles Liebe und Gute wurde dem braven Manne dankbar dafür nachgerühmt, und 1791 hielt Graß in einer Zeichnung seine Züge fest, aus denen Treue und Redlichkeit sprechen. Die Nachkommen Unbehauns, die Familien Stauch, haben das Zimmer und dessen Einrichtung pietätvoll geschont.

Schillererinnerungen beleben die ganze Flur Volkstedt. Der Weg nach Rudolstadt hat Umänderungen erlitten. Er führte einst durch eine Wiesenmulde zum Schaalbach und von da auf den Hain zu. Die Richtersche Fabrik und die neuen Stadtteile sind dort entstanden. Nur die Schillerquelle im Rudolspark erinnert noch an alte Zeit, wenn auch versteckt an dem schluchtartigen Philosophenweg. – Nach Zeigerheim zu führten Spazierwege den Dichter oft, und es heißt, der Bergvorsprung an der Prinzeneiche sei ein Lieblingsplatz von ihm gewesen. Hier folgte sein Blick der Länder verknüpfenden Straße und der Pappeln stolzem Geschlechte bis Saalfeld und Rudolstadt. – Den Gefahren einer Seereise setzte er sich aus, indem er oberhalb des Wehres einen Kahn benutzte oder unterhalb den Fluß durchwatete. So erreichte er die Große Wiese mit weithin verbreitetem Teppich. Aus der Ferne grüßte die Burg. Unter den Linden erwarteten ihn die Freundinnen und führten ihn nach Cumbach, wo um den Hofgarten französischen Stils deutsches Landleben sich abspielte.

Karoline Junot, geborene von Schiller

An den steilen Sandsteinfelsen des Mühlbergs errichtete im Jahre 1830 der Kammerrat Karl Werlich die Anlagen der Schillershöhe mit der Danneckerschen Büste und den Schlußversen des »Spaziergangs«. Es wäre mehr als kühn, zu behaupten, daß Schiller dieses philosophische Gedicht lediglich hier als Eingebung empfangen habe. Die landschaftlichen Bilder dazu mögen aus vielen Erinnerungen des Dichters bis 1795 zusammengeflossen sein. Immerhin kann doch geraten werden, den Pfad von Schillershöhe über Unterpreilipp zur Preilipper Kuppe zurückzulegen. Dabei werden sich Natureindrücke und Landschaftsbilder bieten, die für das Verständnis der Dichtung willkommen sind.

Die Saale selbst ruft uns Schillerworte zu:

»Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;

Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.«

Auch die Schillerverehrung früherer Rudolstädter Geschlechter sollte nicht der Vergangenheit anheimfallen. Eine Tafel auf Justinshöhe über Volkstedt trug die Verse Augustin Regensburgers:

»Wandrer! dich grüßt die Natur in lieblich erhabener Anmut,