Also ist die Unterweisung:
Ich knüpfe an Gesagtes an, o Teurer!
Der Erreger, savitar, die Sonne, weckt die Geschöpfe—alsbald
beseelt diese der Gedanke des Lebens: Kâma, Verlangen, und es folgt
Jagd und Kampf.
Brennend vor Begier wirft sich der Eine auf den Anderen: "du bist
meine Nahrung"—und der Sieger frohlockt: "ich töte dich: es ist
mein Recht."
Vom Unterliegenden jedoch schallt voller Widerspruch zurück: "ich
will nicht sterben, du darfst mich nicht töten, es ist unrecht und
böse!"
Du erwägst zuvörderst den Gegensatz im atmenden Verlangen im
'Raum' erscheinend.
Jeder der Beiden, hier wie dort, der Sieger sowohl wie der
Unterliegende, will dasselbe: will leben, nicht sterben; will töten
und fressen, will nicht getötet und gefressen werden.
Hier wie dort Ein Gedanke, dasselbe Verlangen, dennoch
Widerspruch, Zwiespalt, Gegensatz.

*

Du schaust den Gedanken unbewegt, einheitlich, ungeteilt: Kâma,
Verlangen, Fraß; Fraß ist sinnfälliger Ausdruck des Verlangens.
Es ist kein Zwiespalt, kein Gegensatz im Gedanken, im Wollen und
Tun an sich; Zwiespalt, Gegensatz ist durch Ich und Ich.
Zwiespalt, Teilung erscheint mit be-Teil-igung des Ich am
Gedanken. Der Gegensatz entsteht durch zwiefachen Standort des Ich; im
Ich, das hier will, und im gegenüber stehenden, entgegen stehenden,
widerstehenden Ich, das dort wieder will—zwei gegen-ständliche
Standorte des Ich—das ist Raumerscheinung:

I. Ich—hier:
"ich will dich fressen."

II. Ich—dort:
"ich will dich fressen."

*

Ich auf beidem Standort spricht den einheitlichen Gedanken, das einheitliche Verlangen: 'Fraß' zwiefach aus, bejahend—verneinend. Ich auf beidem Standort bejaht den Satz und verneint damit den Gegensatz. Ich will—und will nicht das Gegenteil des Gewollten; Wille zur Tat, Unwille zur Duldung der Tat. Ich hier wie Ich dort: "ich will leben—nicht sterben, ich will fressen—nicht gefressen werden." Es ist Ein Gedanke, Ein Verlangen, Ein Vorgang: 'Fraß'; 'fressen —nicht gefressen werden' ist nur Lautverschiedenheit, nur sprachlich doppelter Ausdruck, dem Sinne nach dasselbe; nur Gewolltes bejahende, nicht-Gewolltes verneinende Redewendung, doppelte Bezeichnung für Eines. Ich spricht in zwiefachen, Eines bedeutenden Worten einheitliches Wollen, den Einen ungespaltenen Gedanken aus; Gegensatz erscheint im raum-gespaltenen, im ent-zwei-ten Ich; im Ich, das hier will, und im Ich, das dort will, dort wieder will, das heißt —wider will:

[Ich:]
I. Ich, angreifend und siegend will die Tat, bejaht, die Tat,
spricht den bejahenden tätigen Sprachausdruck des Verlangens—in
Lust aufflammend:
"ich will dich fressen."

[Ich im räumlichen 'Gegen'stand:]
II. Ich, angegriffen und unterliegend, will die Tat nicht,
verneint was ihm Leid antut, spricht den verneinenden, leidenden
Sprachausdruck des Verlangens—in Leid aufflammend:
"ich will mich nicht fressen lassen."

Kein Gegensatz im Verlangen, kein Zwiespalt, keine Teilung— gleichviel, ob sich der Gedanke in Einem Ich in zwiefacher Redewendung —bejahend—verneinend—ausspricht, oder ob sich der Gedanke in zwiefacher Redewendung als Wille und Unwille auf zwei Ich verteilt— zweiheitlicher Ausdruck des einheitlichen Gedankens: Verlangen. Kein Gegensatz in Gedanken—gleichviel, ob sich der Gedanke im tuenden Ich in Tat ausdrückender Redeform ausspricht, oder ob sich der Gedanke im leidenden Ich in Leid ausdrückender Redewendung widerspricht; gleichviel, ob der Gedanke im Ich, fressend, sich bejaht, im Ich, gefressen, sich verneint: —einheitliches Verlangen. Unberührt bleibt der Gedanke, ungeteilt—Unterscheidung, Teilung, Entzweiung, Zwiespalt und Gegensatz ist durch Ich und Ich Dies ist kâma, Verlangen, in gegen-Teile ent-zweit, als Wille und wider-Wille erscheinend; im zu-Stand-Ich und im gegen-Stand-Ich; Ich räumlich auf zwei Standorten. Ich-ent-Zwei-ung.