Madame Gernoth sagte hierauf nichts. Sie war eine kluge Frau, aber Haß und Verbitterung machen den Klügsten unlogisch. Es war ihr sehr lieb, daß ihre Enkelin jetzt ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.

»Können die Bäume auch sprechen?« fragte das Kind.

»Freilich,« sagte die Großmutter wichtig, »hast Du noch nicht gehört, wenn der Wind puh, puh bläst, wie dann die Bäume rauschen und miteinander plaudern? Paß nur mal auf, wie sie sich dann unterhalten und tiefe Diener machen, ihre Arme nacheinander ausstrecken, sich ihre schönen Blumen hinhalten und sagen: riechen Sie mal, Herr Nachbar. Und dann riecht der Herr Nachbar an dem Bouquet und sagt: Hazzi. Da! horch mal! Hörst Du, wie sie jetzt sprechen?«

»Ja. Hörst Du's auch, Machen?«

»Jaja. – Freilich, nun wundert's mich nicht mehr, wenn sie die Tischbeine sich unterhalten läßt und von den Fußbänken Mordgeschichten erzählt. Sie ist ein kleiner Phantast.«

»Wenn man das erlebte!«

»Was, Mutter?«

»Daß sie Bücher schriebe. Wie die Paalzow und die Carlèn, weißt Du.«

»Dann würde sie aber keinen Sinn für die Strickmuster und das Bierabziehen haben, und das würde Dir auch nicht recht sein.«

Madame Gernoth schwieg wieder. Nein, das würde ihr nicht recht sein. Eine ordentliche Frau mußte für so etwas Sinn haben. »Wir wollen uns ein bischen setzen,« sagte sie.