[2] Runeberg, ein berühmter finnischer Bildhauer, modellierte 1889 die Statue Alexanders II. von Rußland. Anm. d. Übers.

Aulestad, 2. Februar 1890.

Liebes Kind, heute muß ich nach Helleberg, Svartum und einen Vortrag halten, zwei Meilen von hier. Aber ich habe nicht besonders gut geschlafen heute nacht vor lauter Zeitungen und Infamie und Lügen. Na, ich werde schon damit fertig; aber daß ich insofern alt geworden bin, daß ich nicht immer einschlafen kann, das ist schlimm.

Der „Olav“ für Grieg ärgert mich. Das liegt so weit ab von meinem Weg, und ich möchte am liebsten für mich selber arbeiten. Was tut Grieg für andere? Aber daß sie gut zu Dir waren, war prächtig.

So, also Du willst Mutter bei Dir haben! Das glaube ich! Hätten wir nur die Mittel dazu! Aber Du kostest uns so viel jetzt, weil Du alles haben sollst, was Du brauchst, daß wir hier zu Hause so sparsam sein müssen, wie wir können. Wir kommen ohnehin nicht aus. Also, wenn wir noch mehr für Dich tun sollen und Dir die Mutter schicken, dann bittest Du um mehr, als wir vermögen.

Ich war so froh über Deinen Brief, was den Gesang betrifft. Das ist der erste Brief in diesem Jahr, der meldet, daß es so geht, wie Du und Mad. Marchesi es wünschen. Der erste. Ich habe mich sehr danach gesehnt. — Aber noch immer nichts darüber, ob Du mit Mademoiselle Breslau verkehrst. — Ich wußte ja freilich, daß der Fleiß den Ausschlag geben würde, wenn es galt, „Seele“ hineinzulegen. Du erzählst, daß Du mehr als je arbeitest, und daß Mad. Marchesi jetzt zufrieden ist. Erzähl’ mir ein wenig von der Kopka. Ist sie eine große Sängerin, ist sie wirklich freundlich zu Dir, und was hält sie von Dir? Ich sehe nie so recht klar, wie Du mit den Leuten stehst. Ich sehe Dich nicht mitten unter ihnen. Cavlings werden jetzt wohl bald abreisen; die sind die einzigen, über die Du ordentlich Bescheid gibst; bei denen sehe ich Dich. Liebes Kind, schreibe so, daß wir sehen!

Hier bereitet man wieder eine Schlittenpartie vor. Ich kann gar nicht sagen, wie unvergleichlich die Bahn ist! Ich habe sie nie besser gesehen.

Du solltest nur den herrlichen Klebersteinofen sehen, den ich jetzt in meinem Arbeitszimmer habe! Aber ich fürchte, er hat leider keinen guten Zug. Der Ofen von hier oben ist in die Stube unten umgesetzt worden. — Am nächsten Sonntag spreche ich auf Haug, Sonntag darauf im Gemeindehaus zu Öjer. Ich bin immer auf der Walze; denn jetzt müssen die Ansichten der Linken durchdringen. — Wir sind so froh darüber, daß Du Dich in Deinem Zimmer und mit den zwei Damen und dem Dienstmädchen wohlfühlst. Alles was wir das letzte Mal von Dir hörten, klang so heiter. — Das Haus für Erling und Anna schreitet nicht schnell genug vorwärts; aber von morgen ab kommen mehr Arbeiter. Anna ist sehr lieb, aber tüchtig verzogen. Die Zwei sind ein gutes Gespann, glaube ich, aber ich will sie erst sehen, wenn sie beide müde werden. Er arbeitet nichts heuer, führt bloß das Leben eines Großbauern, die Hände in den Taschen, und kommandiert vom „Oberhof“ die Leute auf dem „untern“. Aber das gibt sich wohl wieder, hoffe ich.

Zurzeit lese ich Carlyle (Carlejl), den großen englischen „Propheten“, der Seele fordert für alles Leben und Materialismus und Snobismus und Affektation und Eigenbrödelei und kirchlichen Dogmenkram haßt. Ich wünschte, Du wärst fürs Lesen, dann würde ich Dir seine Lebensbeschreibung schicken; denn darin steckt der ganze Kerl, weil darin so viel von ihm zitiert wird. Er ist eine Größe durch die Initiative, den Schwung, die er in den Menschen weckt. Aber er ist grenzenlos willkürlich. Dann lese ich von neuem den „Ursprung der Arten“ von Darwin und ein gut Teil Belletristik.

Ich bin heute nicht aufgelegt, wie Du siehst, und ich bin mit meinem Vortrag beschäftigt. Am Dienstag, an Landrichter Mejdells 70. Geburtstag, soll ich die Festrede halten.