Hier sitze ich und beantworte die allernötigsten Briefe; sie sind (bis auf einen, von den Professoren an der Hochschule in Göteborg) alle aus Kristiania. Telegramme sind es 727, sagt Mutter; ich möchte wissen, wie viele darunter von Gesellschaften und Vereinen. Die Briefe sind Legion; ich muß ja einmal daran.

Vorläufig arbeite ich für Alexander Kielland. Die 40000 geerbt haben pro Kopf, sind seine Geschwisterkinder, und die haben ein paar Verwandten zu helfen, die höchst bedürftig sind. Alexander Kielland hat in allen diesen Jahren mit einem Einkommen von 4000 Kronen dagesessen und hat davon bis zu 600 Kronen Steuern zahlen müssen. Ich glaube nicht, daß er so sehr zu tadeln ist. Er hätte wohl etwas tun sollen, ehe die Schulden bis 10000 angewachsen waren. Aber nun sind sie es, und wir müssen helfen.

Ich habe eine Bitte an Dich: geh zum Großkaufmann Sörensen. Der biedere Mann wird mir vielleicht helfen, wenn er hört, daß ich nicht vom Flecke komme, bis ich die 10000 beieinander habe, die in diesen Zeiten sehr schwer aufzutreiben sind — auch aus dem Grunde, weil wir mit einer gewissen Diskretion vorgehen müssen. Ich wende mich am liebsten an reiche Norweger außerhalb Norwegens. Leg’ ihm ans Herz, daß Alexander Kiellands Konkurs jetzt ihn um seine Stellung bringen würde und eine Schande für das ganze Land wäre. Dafür arbeite und arbeite ich. Sag’ ihm, daß ich ein gewisses Recht habe, andere um Hilfe zu bitten, weil ich selbst Kielland mehrere Male geholfen habe; so zahlte ich ihm damals, als er seinen Dichtersold verlor, diesen Betrag das erste Jahr ganz allein aus.

Uns geht es gut nach der Reise. Hier ist es herrlich! Aber ganz Gausdal und ganz Gudbrandsdal sind ohne Wasser. Unter dem Blachfrost sind alle Quellen ausgegangen. Die Gausa ist fast wasserleer; die Fabrik steht still. Unsere Wasserleitungen auf dem Hofe laufen auch bald nicht mehr; bloß das Wasser, das wir aufgespeichert haben, der Neversee, gibt noch was her. Wäre nicht im Herbst in den Damm ein Loch gekommen (durch eine tiefe Sandader, die durchbrach), so hätten wir bis zum April Wasser gehabt. Jetzt haben wir kaum bis Mitte Januar. Wir haben eine schwedische Mühle, die Tag und Nacht geht; im ganzen Kirchspiel ist nur die eine. Wenn das Wasser ausgeht, bringen wir den Motor an, also mahlen wir den ganzen Winter für andere. Wenn doch die Mühlen erst fertig wären; jetzt meinen alle, wir müßten versuchen, sie aufzustellen, was höchstens 5000 Kronen kosten könnte. Aber die habe ich eben nicht.

Das nötige Wasser für Haus, Viehstall und Pferdestall muß den ganzen Winter über angefahren werden! Eine herrliche Aussicht! Wahrscheinlich aus dem Fluß, — falls überhaupt so viel da ist, wenn die Zeit kommt! Grüß’ Sigurd und Deine Kinder von uns.

Dein Freund Vater.

Aulestad, 8. Januar 1903.

Liebe Bergliot, in diesem Augenblick schickt Midling in Hudiksvall (ein Mann, den Treschow törichterweise verabschiedet hat, und der nun Millionär ist) 1000 Kronen für Alexander Kielland. Ich darf hoffen, ich habe in diesem Augenblick 9000 Kronen. Auf jeden Fall habe ich 7000.

Und ich finde, Ihr beide, Du und Sörensen, müßtet elende Patrioten und Waschlappen sein, wenn Ihr mich nicht mit einer gleichen Summe überrascht. Midling sandte das Geld in einem Schein. Konsul Fredrik Hansen ist Kassierer, aber Ihr müßt den Schein an mich schicken. Ich muß ihn in der Hand halten, weil er für Alexander Kielland ist, den ich liebe.

Also: Tankred war zu Ball; dort verliebte er sich. Er sah „sie“ tanzen; er ließ sie nicht aus den Augen, er legte seinen Kopf in Lizzies Schoß und flüsterte: „Ist sie nicht entzückend?“ Gleich darauf fügte er hinzu: „Jetzt will ich auch tanzen lernen.“ Als sie ihn mit nach Hause nehmen wollten, während sie noch dablieb, weinte er. Erling, der sehr erfahren ist in Liebessachen und deshalb Mitleid hatte, nahm sich seiner an, und er durfte bleiben. Als ihn Erling später in seinen Pelz wickelte und ihn so mit ins Hotel nahm, war er so müde, daß man ihn ausziehen mußte, und er flehte, man möge ihm das Waschen erlassen, was Erling — immer voll Mitleid — auch bewilligte, zum tugendsamen Entsetzen der beiden Dienstmädchen, seiner Vormünder.