Jetzt erlauben meine Augen mir nicht mehr, denn sie sehen gut in die Ferne, schmerzen aber und tränen, wenn ich etwas in der Nähe sehen will. Zum Schluß will ich Dir noch sagen, Öyvind, was Du auch erstrebst und arbeitest, laß allzeit Deinen Gott mit dabei sein, denn wie geschrieben steht: „Es ist besser eine Handvoll mit Ruhe, denn beide Fäuste voll mit Mühe und Jammer“ (Pred. Salom. 4, 6).
Dein alter Schulmeister
Baard Andersen Opdal.
An
die wohllöbliche Jungfrau Marit Knudstochter, Heidehöfen.
Ich danke Dir für Deinen Brief, den ich gelesen und verbrannt habe, so wie Du sagst. Du schreibst von vielerlei, aber gar nichts von dem, was ich wollte, daß Du schreiben solltest. Auch wage ich nicht, von etwas Gewissem zu schreiben, ehe ich nicht erfahre, wie es mit Dir in jeder Beziehung steht. Der Brief des Schulmeisters sagt nichts, woran man sich halten kann, aber er lobt Dich, und dann sagt er, Du seiest unbeständig. Das warst Du früher auch. Jetzt weiß ich nicht, was ich glauben soll, und deshalb mußt Du schreiben; denn ich bin nicht ruhig, ehe Du geschrieben hast. In dieser Zeit denke ich am häufigsten daran, wie Du am letzten Abend auf den Tanz kamst, und was Du da sagtest. Mehr will ich diesmal nicht sagen, deshalb lebe wohl!
Ehrerbietigst
Öyvind Pladsen.
An
den Junggesellen Öyvind Thoresen Pladsen.
Der Schulmeister hat mir einen neuen Brief von Dir gegeben, und den habe ich jetzt gelesen. Aber ich verstehe ihn gar nicht, und das kommt wohl daher, daß ich nicht gelehrt bin. Du willst wissen, wie es mir in jeder Beziehung geht; ich bin gesund und munter, und mir fehlt nichts. Ich esse sehr gut, namentlich wenn es Milchspeisen gibt; in der Nacht schlafe ich und zuweilen auch am Tage. Ich habe diesen Winter viel getanzt, denn es hat hier viele Tanzfestlichkeiten gegeben, und das ist sehr schön gewesen. Ich gehe in die Kirche, wenn nicht zu viel Schnee liegt, aber der hat in diesem Winter hoch gelegen. Jetzt hast Du wohl alles erfahren, und wenn Du es nicht hast, so weiß ich Dir keinen andern Rat, als daß Du mir noch einmal schreiben mußt.
Marit Knudstochter.
An
die wohllöbliche Jungfrau Marit Knudstochter, Heidehöfen.
Deinen Brief habe ich erhalten, aber Du scheinst mich ebenso klug lassen zu wollen. Vielleicht ist dies auch eine Antwort, ich weiß es nicht. Ich wage nichts von dem zu schreiben, was ich wohl schreiben möchte, denn ich kenne Dich nicht. Aber vielleicht kennst Du mich auch nicht?