Da fühlte er plötzlich etwas Nasses in seinem Ohr, er fuhr in die Höhe: „Bä—ä—ä—ä!“ sagte es, und das war der Bock, der wieder zurückgekommen war!
„Nein, bist du wiedergekommen!“ — Er sprang auf, faßte ihn bei den Vorderbeinen und tanzte mit ihm herum, als sei er sein Bruder; er zupfte ihn am Bart, und er wollte gerade mit ihm zur Mutter hinein, als er etwas hinter sich hörte und das Mädchen dicht neben sich auf dem Rasen sitzen sah. Jetzt begriff er alles. Er ließ den Bock los: „Bist du mit ihm hergekommen?“ — Sie saß da und zupfte Gras mit der Hand aus und sagte: „Ich durfte ihn nicht behalten; Großvater sitzt da oben und wartet.“ — Während der Junge dastand und sie anstarrte, hörte er eine scharfe Stimme oben vom Wege her rufen: „Nun?“ Da fiel ihr ein, was sie tun sollte; sie stand auf, ging zu Öyvind hin, steckte ihre mit Erde beschmutzte Hand in die seine, wandte sich ab und sagte: „Verzeih mir!“ Aber dann war es auch aus mit ihrem Mut, sie warf sich über den Bock und weinte.
„Ich meine, du solltest den Bock doch behalten,“ sagte Öyvind und sah weg.
„Beeile dich jetzt!“ sagte der Großvater oben auf dem Berge. Und Marit stand auf und ging schleppenden Schrittes den Berg hinan. — „Du vergißt ja dein Strumpfband,“ rief ihr Öyvind nach. Da wandte sie sich um und sah erst das Strumpfband an und dann ihn. Endlich faßte sie einen großen Entschluß und sagte mit erstickter Stimme weinend: „Das kannst du behalten.“ — Er lief ihr nach und ergriff ihre Hand. — „Ich bedanke mich vielmals!“ sagte er. — „Ach, keine Ursache zu danken!“ entgegnete sie, seufzte tief auf und ging weiter.
Er setzte sich wieder ins Gras nieder, der Bock graste neben ihm, aber er hatte ihn nicht mehr so lieb wie vorher.
2
Der Bock war an der Wand des Hauses angebunden, Öyvind aber stand da und schaute zu dem Berge empor. Die Mutter kam zu ihm heraus und setzte sich zu ihm; er wollte Märchen über das hören, was weit weg war, denn jetzt war ihm der Bock nicht mehr genug. Da hörte er denn, daß einstmals alles sprechen konnte: der Berg sprach mit dem Bach, und der Bach mit dem Strom, und der Strom mit dem Meere, und das Meer mit dem Himmel; dann aber fragte er, ob denn der Himmel mit niemand spräche; ja, der Himmel spräche mit den Wolken, und die Wolken mit den Bäumen, und die Bäume mit dem Grase, und das Gras mit den Fliegen, und die Fliegen mit den Tieren, und die Tiere mit den Kindern, die Kinder mit den Erwachsenen; und so ging es weiter, bis es rundherum ging, und niemand wußte, wer begonnen hatte. Öyvind sah den Berg an und die Bäume und die See und den Himmel und hatte das alles eigentlich bisher noch niemals gesehen. In diesem Augenblick kam die Katze heraus und legte sich auf die steinerne Schwelle in die Sonne. — „Was sagt die Katze?“ fragte Öyvind und zeigte auf sie. Die Mutter sang:
„Die Katze liegt im Sonnenschein,
Der abends sieht zur Tür herein:
Ein Mäusepärlein kam
Und naschte von dem Rahm,
Vier Stück Fisch,
Die stahl ich mir vom Tisch,
Und bin so rund und satt,
Und bin so faul und matt!
Sagte die Katze.“
Aber der Hahn und alle Hühner kamen. — „Was sagt der Hahn?“ fragte Öyvind und klatschte in die Hände. Die Mutter sang: