(An einen abgeschiedenen Freund)

Ich hab' einen Freund, im Grauen der Nacht
Hör' ich oft seinen Gruß: Gott mit dir!
Wenn die Lichter sterben, mein Sinn nur wacht,
Dann tritt er am liebsten zu mir.

Er hat kein Wort, das mich kränken will,
Denn er selbst kennt Sünde und Leid.
Er heilt mit Blicken und wartet still,
Bis ich ausgekämpft meinen Streit.

Und schafft mir Kummer, was ich getan,
So bekennt er sich selbst dazu.
Er faßt meinen Glauben so handweich an,
Und bringt den Schmerz zur Ruh.

Stieg jubelnd die Hoffnung—er folgte ihr,
Und verzagte nicht, wenn sie sank.
Jetzt wieder—mild steht er neben mir—:
Mein Aufschwung werde sein Dank!

DIE PRINZESSIN

Prinzeßchen saß hoch in der Jungfernbastei,
Ein Bürschlein ging unten und blies die Schalmei.
"Du Kleiner, was bläst du am Abend?—sei still!
Das hält meine Seele, die fortfliegen will
Mit der Sonne dort."

Prinzeßchen saß hoch in der Jungfernbastei,
Das Bürschlein blies länger nicht auf der Schalmei.
"Du Kleiner, so blase, was schweigst du denn still?
Das trägt meine Seele, die fortfliegen will
Mit der Sonne dort."

Prinzeßchen saß hoch in der Jungfernbastei,
Das Bürschlein nun wiederum blies die Schalmei.
Sie weint in den Abend und seufzet vor Qual:
"O sagt doch, was fehlt mir?—Mit einem Mal
Ist die Sonne fort."

VOM MONTE PINCIO