Sie lag und strampelte mit den Beinen und sah zu ihm hinunter, und schließlich sagte sie: "Und wenn ich Dir einen Butterkringel dafür gebe, kann ich den Bock dann kriegen?" Öyvind war armer Leute Kind; er hatte Butterkringel erst einmal in seinem Leben gegessen; damals, als sein Großvater zu Besuch gekommen war. So was Schönes hatte er sein Lebtag nicht gegessen. Er sah zu dem Mädchen hinauf; "zeig' mir den Kringel erst", sagte er. Sie bedachte sich nicht lang und hielt ihm den großen Kringel hin, den sie in der Hand hatte. "Da hast ihn", sagte sie und warf ihm den Kringel zu. "Au, er ist kaputt gegangen", sagte der Junge und sammelte sorglich jedes Stückchen auf; das allerkleinste mußte er doch mal kosten, und das schmeckte so gut, daß er noch eins kosten mußte, und ehe er sich's versah, hatte er den ganzen Kringel aufgegessen.

"Jetzt ist der Bock mein", rief das Mädchen. Dem Jungen blieb der letzte Bissen im Munde stecken; das Mädel lag und lachte, und der Bock mit der weißen Brust und dem bräunlich-schwarzen Fell stand daneben und guckte mit schiefem Kopf hinunter.

"Kannst Du ihn mir nicht noch ein bißchen lassen?" bettelte der Bub, und sein Herz fing zu klopfen an. Da lachte das Mädel noch mehr und richtete sich schnell auf. "Nein, der Bock ist mein", sagte sie, schlang die Arme dem Tier um den Hals, machte ihr Strumpfband los und band es ihm um. Öyvind sah zu. Nun stand sie auf und versuchte den Bock mit wegzuzerren. Der wollte aber nicht und reckte den Hals nach Öyvind hinunter. "Mä-ä-ä-äh!" schrie er. Sie aber faßte mit einer Hand seine Mähne, mit der andern das Band und sagte liebkosend: "Komm, Böckchen, Du kommst auch mit in die Stube und darfst aus Mutters Schüssel essen und aus meiner Schürze", und dann sang sie:

Komm, Bock, zu dem Knaben.
Komm, Kalb, zu der Kuh,
Kommt, miauende Katzen,
Auf schneeweißem Schuh;
Komm, Entengehecke,
Aus deinem Verstecke,
Kommt, Küchlein, ihr kleinen,
Fällt's schwer auch den Beinen.
Mit feinen Hauben
Kommt, ihr meine Tauben!
Ist's feucht noch, wie gut
Die Sonne doch tut.
Ja, Sommer, Sommer ist uns schon nah,
Doch rufst du den Herbst, ist er da!

* * * * *

Da stand der Junge nun.

Mit dem Bock hatte er seit dem Winter, wo er geboren war, gespielt und hatte nie gedacht, er müsse ihn einmal hergeben; und nun war es so ganz plötzlich geschehen, und er würde den Bock nie mehr wiedersehen.

Die Mutter kam, ein Liedchen summend, vom Strande herauf mit ihren hölzernen Kübeln, die sie gescheuert hatte. Sie sah ihren Jungen mit gekreuzten Beinen im Grase sitzen und weinen und ging hin zu ihm. "Warum weinst Du?"—"Ach, der Bock, der Bock!"—"Ja, wo ist denn der Bock?" fragte seine Mutter und sah zum Dach hinauf.—"Der kommt nie mehr wieder", sagte der Junge.—"Aber Kind, wie sollte das wohl zugehen?"—Er mochte es nicht gleich sagen. "Hat der Fuchs ihn geholt?"—"Ach, ich wollt', es war' der Fuchs gewesen!"—"Bist Du nicht bei Trost," sagte die Mutter, "was ist mit dem Bock geschehen?"—"A-a-ach, ich hab' ihn—verkauft für einen—Kringel."

Kaum hatte er das Wort ausgesprochen, da begriff er erst, was es heißt, den Bock für einen Kringel zu verkaufen; daran hatte er vorher gar nicht gedacht. Seine Mutter sagte: "Was, meinst Du wohl, mag der Bock von Dir denken, daß Du ihn für einen Kringel verkaufen konntest?"

Daran dachte der Junge ja schon selber, und ihm wurde klar, daß er hier in dieser Welt nie wieder fröhlich werden könne,—"und im Himmel auch wohl nicht mehr", fiel ihm hinterher ein.