"Ist das hier immer so?" flüsterte er Margit zu. "Ja immer", sagte sie.

Nachher mußten sie vortreten und lesen; dann wurde ein anderer Junge beauftragt, sie lesen zu lassen, und schließlich waren sie erlöst, konnten sich wieder auf ihren Platz setzen und brauchten nichts zu tun.

"Jetzt habe ich auch ein Böckchen", sagte Margit.—"Wirklich?"—"Ja, aber es ist nicht so schön wie Deins!"—"Warum bist Du nicht öfter auf den Berg gekommen?"—"Großvater hat Angst, ich könnte hinunterfallen."—"Es ist doch gar nicht so hoch."—"Großvater will's aber nicht."

"Meine Mutter weiß soviele Lieder", sagte er.—"Na, mein Großvater auch—das kannst Du glauben."—"Ja, aber nicht solche wie meine Mutter."—"Aber mein Großvater kann eins vom Tanzen.—Soll ich's mal sagen?"—"Ja, bitte."—"Aber dann mußt Du näher herankommen, sonst merkt's der Schulmeister." Er rückte näher, und dann sagte sie ihm ein paar Strophen vor,—vier, fünfmal, bis er sie konnte, und das war das erste, was er in der Schule lernte.

"Tanz!" rief die Fiedel
Mit schnarrender Saite,
Der Bauer, der Breite,
Spreizte sich: "Ha!"
"Holla", rief Ola
Und bracht' ihn zu Falle,—
Wie lachten alle
Die Jüngferchen da!

"Hopp", sagte Erik,
Und klomm zur Decke,—
Da krachten Ecke
Und Wände im Haus.
"Stopp", sagte Elling,
Und trug ihn am Kragen
Hinaus ohne Zagen:
"Hier tobe dich aus!"

"Hei", sagte Rasmus,
"Her mit dem Munde,
Randi, du runde!
Schnell, mach' dich bereit."
"Ei", sagte Randi;
Gab ihm eine Schelle,—
Wie rieb er die Stelle,—
"Da hast du Bescheid!"

"Aufstehn, Kinder!" rief der Schulmeister. "Heut am ersten Tag sollt Ihr früh nach Hause gehen; aber erst wollen wir noch beten und singen." Da gab es ein Leben in der Schulstube; sie sprangen von den Bänken auf, rannten durch die Stube und schwatzten durcheinander. "Ruhe, Ihr Strolche, Ihr Hallunken, Ihr Banditen!—Ruhe! Und hübsch leise auftreten, Kinderchen!" sagte der Schulmeister, und sie stellten sich ruhig in Reih und Glied, worauf der Schulmeister vor sie hintrat und ein kurzes Gebet sprach. Dann sangen sie. Der Schulmeister stimmte mit seinem kräftigen Baß an, alle Kinder standen mit gefalteten Händen da und sangen mit. Öyvind stand mit Margit dicht an der Tür und sah zu; sie hatten auch die Hände gefaltet, aber mitsingen konnten sie nicht.

Das war der erste Schultag.

Drittes Kapitel