"Seid jetzt mal still; Tore möchte was sagen", fällt der Schulmeister ein; sie verstummen und sehen Tore an. Der fängt denn ganz leise an: "Es ist auf dieser Stätte immer so gewesen, daß wir eine Mühle gehabt haben; in letzter Zeit ist es so gewesen, daß wir zwei gehabt haben. Diese Mühlen haben in Jahr und Tag doch ein paar Groschen abgeworfen; weder mein Vater noch ich haben von dem Geld genommen, außer damals, als Öyvind fort mußte. Der Schulmeister hat es verwaltet, und er sagt, daß es sich da, wo es stand, gut verzinst hat; aber jetzt ist ja das beste, Öyvind nimmt es für Nordistuen." Die Mutter stand hinten in der Ecke und machte sich ganz klein, während sie mit leuchtenden Augen zu Tore hinsah, der jetzt sehr gewichtig dahockte und beinahe dumm aussah; Ole Nordistuen saß ihm mit weit offnem Mund gegenüber; Öyvind war der erste, der sich von der Überraschung erholte. "Ist das nicht, als wenn das Glück mich verfolgt?" rief er, ging auf seinen Vater zu und schlug ihm auf die Schulter, daß es dröhnte. "Du Prachtvater!" sagte er, rieb sich die Hände und ging auf und ab.
"Wieviel mag das wohl sein?" fragte schließlich Ole ganz zaghaft den Schulmeister. "Es ist gar nicht so wenig."—"Ein paar hundert Taler?"—"Noch ein bißchen mehr."—"Noch ein bißchen mehr? Öyvind, noch ein bißchen mehr! Herrgott, das soll ein Hof werden!" Er stand auf und lachte hell heraus.
"Ich will mit Dir zu Margit", sagte Öyvind. "Die Postkutsche steht ja noch draußen, da geht es schnell."—"Ja, schnell, schnell! Magst Du auch gern alles schnell haben?"—"Ja, schnell und forsch!"—"Schnell und forsch! Akkrat so, wie als ich jung war,—akkrat so!"—"Hier ist Mütze und Stock; jetzt jage ich Dich 'raus!"—"Du jagst mich 'raus, haha! aber Du kommst mit, nicht, Du kommst mit? Ihr andern kommt wohl nach? Heut abend wollen wir solange zusammensitzen, wie noch ein Funken auf dem Herd ist; kommt nur hin!"—Sie versprachen es, Öyvind half ihm in den Wagen und sie fuhren nach Nordistuen hinauf. Da oben war der große Hund nicht der einzige, der sich wunderte, als Ole Nordistuen mit Öyvind Pladsen in den Hof einfuhr. Während Öyvind ihm aus dem Wagen half und die Knechte und Mägde sie neugierig angafften, kam Margit aus dem Hause und wollte sehen, was denn der Hund fortwährend zu bellen hatte, aber sie blieb wie angewurzelt stehen, wurde glühend rot und lief wieder hinein. Der alte Ole rief aber so fürchterlich laut nach ihr, als er in die Stube kam, daß sie wohl oder übel wieder zum Vorschein kommen mußte. "Geh hin und mach' Dich fein, Mädel, hier steht der Mann, der den Hof haben soll."
"Ist es wahr?" rief sie, ohne es selbst zu wissen, und so laut, daß es schallte. "Ja, es ist wahr", sagte Öyvind und klatschte in die Hände; da drehte sie sich auf den Fußspitzen herum, schleuderte das, was sie gerade in der Hand hatte, weit weg und lief aus der Stube; und Öyvind hinterher.
Nach kurzer Zeit kamen auch der Schulmeister, Tore und seine Frau. Der
Alte hatte Lichter auf den weißgedeckten Tisch gestellt; es gab Wein und
Bier, und er selbst war immerzu auf den Beinen und hob den Fuß noch
höher als gewöhnlich, aber immer bloß den rechten.
* * * * *
Ehe diese kleine Erzählung zu Ende geht, soll noch berichtet werden, daß fünf Wochen später Öyvind und Margit in der Dorfkirche getraut wurden. Der Schulmeister leitete an diesem Tage selbst den Gesang, weil der Hilfsküster krank war. Seine Stimme war brüchig, denn er war alt; aber Öyvind fand doch, es höre sich wunderschön an. Und als er Margit die Hand gereicht und sie vor den Altar geführt hatte, da nickte ihm der Schulmeister vom Chor herunter zu, genau so, wie Öyvind es damals gesehen hatte, als er so wehleidig beim Tanz saß: er nickte ihm auch zu, und die Tränen wollten ihm in die Augen treten.
Die Tränen bei jenem Tanz waren das Tor zu diesen Tränen gewesen, und zwischen ihnen lag seine Arbeit und seine Treue.
Und hier ist die Geschichte von dem fröhlichen Burschen zu Ende.
* * * * *