Leer ist es nun zwischen diesen zwei Armen—
Kann ich betend sie je noch erheben?
Wohin auf Erden soll ich mich wenden?
Zieh' ich von hinnen zu fremden Stätten,—
Sehn' ich mich heim, wo wir beide gewandelt.
Aber wende ich mich heimwärts,—
Ach! sie selbst vermisse ich dann.

Odin in Walhall darf ich nicht suchen;
Den verließ ich ja schon in der Kindheit.
Und der neue Gott in Gimle?——
Der hat mir ja alles genommen!

Rache?—Wer spricht von Rache?—
Kann Rache meine Toten erwecken?
Kann sie mich wärmen, wenn fröstelnd ich bebe?
Gibt sie mir traulichen Witwensitz,
Trost einer Mutter ohne Kind?

Geht mit eurer Rache! Laßt mich in Frieden!
Legt ihn auf den Wagen, ihn und den Sohn,
Kommt, wir geleiten sie heim.
Der neue Gott in Gimle, der fürchterliche, der alles nahm,
Laßt ihn auch Rache nehmen; denn die versteht er,
Fahrt langsam! Denn so fuhr auch Ejnar immer,—
Und wir kommen früh genug heim.

Nicht springen die Hunde heut freudig herbei,—
Sie winseln und heulen mit hängendem Schwanz.
Im Stalle spitzen die Pferde die Ohren,
Froh der Stalltür entgegenwiehernd,
Lauschend auf Ejndrides Stimme.

Doch nimmer ertönt sie mehr,—
Und nimmermehr Ejnars Schritt im Flur,
Der allen kündet: steht auf, ihr Leute,
Jetzt kommt euer Häuptling!

Die großen Stuben will ich schließen,
Fortschicken all unsre Leute;
Vieh und Pferde will ich verkaufen,
Von hinnen ziehn und einsam leben.
Fahrt langsam!
Denn wir kommen früh genug heim.

AN MEINE FRAU

(Mit einem Satz römischer Perlen)

Nimm diese Perlen!—als späten Reim
Auf die, so geschmückt einst mein Jugendheim!
Der tausend Stunden stilles Glück,
Da du drin geatmet, es blieb zurück
Ein Haufe Perlen schimmernd hell,
Die der junge Gesell
Um die Brust sich hing
Und ums Haupt sich band—
Daß aller Welt zu lesen stand,
Von wem sein Herz und Geist erst rechte Zier empfing:
Von ihr, die ihre Liebe um sein Leben wand!